Wissenschaftliche Beweise und Ausführungen zur Reinkarnationstheorie

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Schaubild des reinkarnativen Prozesses der „Seelenwanderung“

Der folgende Aufsatz handelt über wissenschaftliche Belege und Ausführungen zum Thema der „Reinkarnation“, also der körperlichen Wiedergeburt unserer „Seele“. Es kommen verschiedene Autoren und Standpunkte zu Wort, oft wird wörtlich aus der Literatur und Quellen wie Zeugenaussagen zitiert (kursiver Text). Die Gliederung des etwa 16 Seiten langen Textes sieht wie folgt aus:

1.) Einleitung
2.) Belege für die Reinkarnation
3.) Die Forschungsergebnisse Prof. Ian Stevensons
4.) Die „Lebensberichte“ Edgar Cayces

Vorab: dennoch muss vorab angemerkt werden, dass quasi die komplette Reinkarnatuionsforschung in den Bereich der Grenzwissenschaft fällt, da sie so revolutionär ausfällt und die etablierten Wissenschaftparadigmen sprengen würde. Aus diesem grund findet man fast nichts zum Thema in den „seriösen“ bzw. eher etablierten Wissenschaften und ihrer Literatur.

1.) Einleitung

Der Glaube an Reinkarnation oder Wiedergeburt ist der Glaube, dass wir nicht nur ein einziges Mal auf der Erde leben, sondern schon wiederholt hier gelebt haben und nach unserem „nächsten“ Tod, also dem Ende unserer gegenwärtigen Lebensspanne, nach kürzerer oder längerer Zeit neuerlich wiedergeboren (reinkarniert) werden können.

Der Gedanke an die Möglichkeit der Reinkarnation bereitet vielen Menschen unseres Kulturkreises große Schwierigkeiten, und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen. Es gibt Menschen, denen der erste intensive Kontakt mit diesem Gedanken buchstäblich den Schlaf raubt, und andere, die Monate brauchen, um die Scheu vor einer Auseinandersetzung damit zu überwinden.

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Rho:Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist der Glaube an die Reinkarnation abzulehnen. Das Wissen und die Erfahrungen , die in einem Gehirn stecken können nur durch ein anderes Informationsmedium , wie beispielsweise ein Buch oder einen Film, an andere Gehirne weitergegeben werden. Eine automatische Weitergabe der Gehirninformation an ein anderes Lebewesen beim Tod eines Gehirnes ist mangels eines fehlenden Übertragungsmediums und mangels eines entsprechenden Informationsempfängers im neuen Gehirn biologisch gesehen unmöglich. Die biologische Informationsweitergabe erfolgt bei der Zeugung eines neuen Kindes durch Weitergabe der Gene der Eltern.

Aber die Wahrheit richtet sich nicht nach unseren Wünschen, nach unseren Vorlieben und Abneigungen.

Rho: Hier wird suggeriert, daß der Glaube an die Reinkarnation die Wahrheit sei. Das ist falsch. Der Reinkarnationsglaube wird von den meisten naturwissenschaftlich denkenden Menschen abgelehnt. Es sprechen zu viele Fakten dagegen. Er widerspricht dem zentralen Dogma der Informationstheorie: Es gibt keine Information ohne Informationsträger.

Hinweis: Der mit „RHO“ startende Absatz spiegelt einen wissenschaftlichen Standpunkt als kontroverse Gegendarstellung wieder. In diesem Zusammenhang verbieten sich grundsätzlich solche absolutistische Aussagen über „Wahr“ oder „Falsch“, da hier religiöse Thesen dargelegt werden, die orthogonal zu einer wissenschaftlichen Betrachtung stehen. Richtig ist, dass viele religiöse Konzepte, wie auch die Reinkarnation, mit wissenschaftlichen Methoden nicht nachgewiesen werden können. Es ist jedoch gerade von einem wissenschaftlichen Standpunkt höchst bedenklich, eine These als falsch zu bezeichnen, ohne dies klar belegen zu können. Das Fehlen von Beweisen reicht hier nicht aus. Aus theologischer Sicht ist eine solche Beweisführung jedoch in keiner Weise erforderlich. So wird z.B. im Christentum die Macht des Glaubens angesprochen, während in anderen Religionen die eigene Erfahrung, z.B. in der Meditation, im Mittelpunkt steht.

Auch der christliche Glaube schließt nicht von sich aus den Wiedergeburtsglauben aus, denn es gibt – wie noch gezeigt werden wird – keine unüberwindlichen Widersprüche zwischen beiden, wohl aber gibt es christliche Sekten, bei denen die Wiedergeburtslehre zum Glaubenskanon gehört.


2.) Belege für die Reinkarnation

Die Berichte des Lama Anagarika Govinda

Lama Govinda war ein buddhistischer Mönch, der als Sohn deutscher Eltern in Deutschland aufgewachsen war und später zum Buddhismus konvertierte. Er hat in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts eine mehrjährige Pilger- und Forschungsreise durch Tibet unternommen, über die er in seinem Buch „Der Weg der weißen Wolken“ (Scherz Verlag, 1966) berichtete. Er gilt als einer der bedeutendsten buddhistischen Gelehrten seiner Zeit und ist unbedingt vertrauenswürdig. Die folgenden Berichte über Reinkarnationen entstammen dem oben genannten Buch, sind von mir manchmal gekürzt, aber sonst nicht bearbeitet worden.

Tomo Gesche Rimpotsche

Tomo Gesche Rimpotsche war ein sehr gelehrter und vor allem sehr weiser Mönch und lebte im Dungkar-Gompa, im Kloster der Weißen Muschel, in Tibet. Während eines Aufenthalts in diesem Kloster war Lama Govinda sein Schüler. Tomo Gesche Rimpotsche starb 1937 im Alter von 72 Jahren. Er hatte die Mönche zuvor wissen lassen, dass er bald seinen Körper, der ihm zur Last geworden war, verlassen werde. „Aber“, sagte er, „das ist kein Grund zur Trauer für euch. Weder verlasse ich euch, noch gebe ich mein Wirken für den Dharma (die Lehre) auf. Aber statt diesen Körper weiterzuschleppen, werde ich in einem neuen wiederkehren. Ich verspreche euch, dass ich zu euch zurückkommen werde. In drei oder vier Jahren dürft ihr nach mir Ausschau halten.“(S. 180)

Lama Govinda berichtet weiter (S. 191 ff.):

Tomo Gesche Rimpotsche (…) hielt sein Versprechen. Nie hatte ich jedoch geahnt, dass sich seine Wiedergeburt gerade in dem Haus ereignen sollte, in dem ich als Gast während meines ersten Ausflugs nach Tibet verweilt hatte, dem gleichen Haus, das ich während meiner Pilgerfahrt zum Eremiten-Abt von Latschen erneut besuchte: das Haus des Entsche Kasi (in Gangtok in der nordindischen Provinz Sikkim, unweit der tibetischen Grenze). Aus Entsche Kasis eigenem Mund erfuhr ich die Einzelheiten von Tomo Gesches Wiedergeburt und seiner Identifizierung und Auffindung mit Hilfe des großen Staatsorakels von Netschung bei Lhasa. (Im oben genannten Buch von Lama Govinda findet sich je ein Kapitel über das Staatsorakel von Netschung, über das Orakel von Dungkar Gompa und über die Lebensgeschichte eines Orakelpriesters. Die Lektüre ist geeignet, auch hartgesottene westliche Rationalisten nachdenklich zu machen.)

Da mir Entsche Kasi als ein aufrichtiger und tief religiöser Mensch bekannt ist, kann ich mich für die Wahrhaftigkeit seines Berichtes, bei dem auch Li Gotami (die Reisegefährtin Lama Govindas) zugegen war, verbürgen. Trotz der Tatsache, dass er als Vater eines Tulku (d. i. ein Lama mit der Fähigkeit, sein nächstes Leben zu beeinflussen und nach der Wiedergeburt Hinweise auf seine frühere Identität zu geben) alle Ursache hatte, hierauf stolz zu sein, war sein Bericht von Trauer erfüllt, denn er hatte seine Frau kurz nach der Geburt des Kindes verloren; und wenige Jahre später, als es sich herausstellte, dass dieses Kind niemand anderer war als die Wiedergeburt Tomo Gesches, musste er auch diesen, seinen einzigen Sohn hergeben. Nur angesichts der überwältigenden Beweise, und um der Zukunft des Knaben nicht im Wege zu stehen, der sich nichts sehnlicher wünschte, „in sein Kloster zurückzukehren“, gab der Vater endlich nach und erlaubte ihm, die Reise nach Dungkar in Begleitung der von dort ausgesandten Mönche anzutreten. Der Maharadscha von Sikkim selbst hatte den Vater beredet, nicht dem Schicksal seines Sohnes vorzugreifen, das durch das große Orakel von Netschung offenbart und durch des Knaben eigene Aussagen und sein ganzes Verhalten bestätigt worden war. Letzterer hatte immer schon behauptet, nicht Sikkimese, sondern Tibeter zu sein, und wenn sein Vater ihn „putschung“ (kleiner Sohn) nannte, pflegte er zu protestieren und zu sagen, sein Name sei Jigme (der Furchtlose). Dies aber war tatsächlich der Name, den das Orakel von Netschung als den Namen erwähnt hatte, unter dem Tomo Gesche wiedergeboren werden würde.’’

Die Tatsache, dass das Staatsorakel aufgerufen worden war, zeigt, welche Bedeutung man der Auffindung Tomo Gesches Wiedergeburt beimaß. Augenscheinlich war das lokale Orakel in Dungkar nicht imstande gewesen, einen klaren Hinweis zu geben; es hatte darum die Behörden in Lhasa veranlasst, weitere Auskünfte von Netschung einzuholen. Letzteres hatte tatsächlich nicht nur die Richtung angegeben, in der das Kind zu finden sei, sondern auch eine eingehende Beschreibung der Stadt und der engeren Lokalität geliefert, in der das Kind geboren worden sei. Aus allen angegebenen Einzelheiten wurde es klar, dass kein anderer Ort gemeint sein konnte als Gangtok. Weitere Informationen gaben das Jahr an, in dem der Knabe geboren wurde, sowie das genaue Alter des Vaters und der Mutter; ja sogar eine Beschreibung des Hauses, in dem sie lebten, und der Bäume, die in dem das Haus umgebenden Garten wuchsen, wurde angegeben. Zwei Obstbäume, die sich vor dem Haus befanden, wurden als ein besonderes Kennzeichen erwähnt.

Eine Delegation von vertrauenswürdigen älteren Mönchen wurde somit nach Gangtok entsandt, und im Besitz all dieser Informationen gelang es ihnen, den Knaben zu finden, der zu jener Zeit etwa vier Jahre alt war. Sobald die Mönche den Garten betraten und sich dem Haus näherten, rief der Knabe: „Vater, meine Leute sind gekommen, um mich zu meinem Gompa zurückzubringen!“ Und er lief ihnen entgegen, vor Freude hüpfend – aber zur großen Bestürzung des Vaters, der noch nicht bereit war, seinen Sohn herzugeben. Dieser aber flehte den Vater an, ihn gehen zu lassen, und als die Mönche die verschiedenartigsten religiösen Gegenstände, wie Gebetsketten, vajras, Glocken, Teetassen, hölzerne Ess- und Trinkschalen, kleine Handtrommeln und andere mönchische Gebrauchsgegenstände vor dem Knaben ausbreiteten, war er ohne Zögern imstande, all diejenigen Sachen herauszusuchen, die er in seinem früheren Leben benutzt hatte, während er ebenso entschieden alle Artikel zurückwies, die ihm nicht gehört hatten und die man absichtlich mit seinen Sachen vermischt hatte, um ihn zu prüfen. Obwohl viele dieser Zutaten sehr viel anziehender aussahen als die echten Artikel, ließ er sich nicht täuschen.

Der Vater, der alle diese Beweise sah und sich der vielen Anzeichen von des Knaben außergewöhnlicher Intelligenz und vieler bis dahin unverständlicher Absonderlichkeiten erinnerte, ließ sich schließlich überzeugen und gab, wenn auch schweren Herzens und auf Zureden des Maharadscha, seine Zustimmung zur Rückkehr des Knaben in sein tibetisches Kloster in Begleitung der für ihn ausgesandten Mönche.

Auf der Reise zum Dungkar Gompa begegnete die Karawane dem Amtschi, dem tibetischen Arzt, der Tomo Gesche während seiner letzten Lebensjahre betreut hatte. Der Knabe erkannte ihn und rief: „D Amtschi, kennst du mich nicht mehr? Erinnerst du dich nicht, dass du mich behandeltest, als ich in meinem früheren Körper erkrankt war?“

Auch in Dungkar erkannte er einige der älteren Mönche und – was ganz besonders bemerkenswert war – der kleine Hund, der sein ständiger Begleiter während seiner letzten Lebensjahre gewesen war, erkannte ihn sofort und war außer sich vor Freude, mit seinem geliebten Herrn wiedervereint zu sein.

Tomo Gesche hatte somit sein Versprechen eingelöst, und die Menschen strömten wieder von nah und fern zum Dungkar Gompa, um dem Guru ihre Aufwartung zu machen und seinen Segen zu empfangen. Der kleine Knabe beeindruckte jeden, der ihn sah, durch seine selbstsichere und würdige Haltung, mit der er auf seinem Thronsitz in der großen Tempelhalle saß, Rituale und Rezitationen bei festlichen Anlässen leitete oder Pilger empfing und segnete – während er in jeder anderen Hinsicht sich natürlich und spontan gab wie jeder andere Knabe seines Alters. Aber während religiöser Handlungen war es, als ob durch die unschuldig-reinen und transparenten Züge des Kindes das Antlitz eines an Jahren und Weisheit reifen Mannes sichtbar würde. Und bald wurde es offenbar, dass er das Wissen, das er in seinem früheren Leben erworben hatte, nicht vergessen hatte. Seine Erziehung war nur eine Auffrischung, ein Sich-ins-Gedächtnis-Rufen des früher Gelernten. Er machte so schnelle Fortschritte, dass seine Lehrer in Dungkar ihn sehr bald nichts mehr lehren konnten. Aus diesem Grunde wurde er bereits im Alter von sieben Jahren nach Sera, einer der großen Klosteruniversitäten in der Nähe von Lhasa geschickt, um höheren Studien obzuliegen und seinen Doktortitel (Gesche) wieder zu erwerben.

All dies mag dem kritischen Verstand eines im Westen aufgewachsenen Menschen unglaubhaft erscheinen, und ich gebe zu, dass ich selbst es nur schwer geglaubt haben würde, wäre ich nicht ähnlichen Fällen begegnet, die mich davon überzeugten, dass die Idee der Wiedergeburt mehr ist als eine Theorie oder ein unbegründeter Glaube, – Fälle, die zugleich den Beweis erbrachten, dass es möglich ist, wesentliche Einzelheiten und Errungenschaften früherer Leben im gegenwärtigen Leben zu erinnern.

Über das weitere Schicksal Tomo Gesches berichtet Lama Govinda:

1950 wurde Tibet von der Truppen der Volksrepublik China besetzt. Die starke Opposition der Tibeter gegen die chinesische Oberhoheit führte 1959 zu einem Aufstand, der niedergeschlagen wurde. Bald danach wurde Tomo Gesche verhaftet und ins Gefängnis geworfen, wo die Chinesen versuchten, seinen Geist zu brechen, indem sie ihm unmenschlichen Bedingungen unterwarfen und ihm jede nur denkbare Demütigung zufügten. Nach mehr als zweijähriger Gefangenschaft wurde er 1961 auf diplomatischen Druck der indischen Regierung und auf Grund persönlicher Intervention des Premierministers, Jawaharlal Nehru, freigesetzt und nach Indien gebracht. Was ihn aus der Gefangenschaft und vor einem sicheren Tod errettet hatte, war die Tatsache, dass er in Gangtok (also in Indien) geboren war und dass die indische Regierung ihn als eine unter indischem Schutz stehende Person beanspruchen konnte.

Maung Tun Kyaing (a. a. O. S. 208 ff.)

In Maymyo, der Sommerresidenz der damaligen burmesischen Regierung in den nördlichen Schanstaaten (…) hörten wir von einem kleinen Knaben, dessen Name Maung Tun Kyaing war und der im vollen Besitz vorgeburtlicher Erinnerung und vorgeburtlichen Wissens war, sodass selbst der Gouverneur von Burma (Sir Henry Butler) ihn in seine Residenz in Maymyo einlud, um sich von der Wahrheit dieses außergewöhnlichen Phänomens zu überzeugen. Der Knabe machte einen so günstigen Eindruck auf den Gouverneur und auf alle, die während jenes denkwürdigen Interviews zugegen waren, dass man den Knaben ermutigte, überall im Land seine frohe Botschaft zu verkünden und selbst die Gefängnisse zu besuchen, um Licht und Hoffnung all denen zu bringen, die in tiefster Dunkelheit befangen waren. Seit jener Zeit wanderte er von Ort zu Ort, und Tausende von Menschen lauschten begeistert seinen Worten. (…)

Als wir das Kloster erreichten, in dem Maung Tun Kyaing sich aufhielt, war er gerade im Begriff, zu einer großen Volksmenge zu sprechen, die den Vorhof des Tempels bis auf den letzten Platz ausfüllte. Es war ein erstaunlicher Anblick, einen kleinen Knaben mit der Ruhe und Selbstsicherheit einer geübten Redners sprechen zu sehen.

Maung Tun Kyaing war damals sieben Jahre alt. Seine Lebensgeschichte erfuhr Lama Govinda zum größten Teil von seinem Vater, einem einfachen und offen- herzigen Mann; sie wurde von Maung Tun Kyaing und den anwesenden Mönchen und Laien bestätigt.

Maung Tun Kyaing war der Sohn armer Strohmattenflechter, die weder lesen noch schreiben konnten. Als er vier Jahre alt war, nahm ihn der Vater zusammen mit seinem jüngeren Bruder zu einem Jahrmarkt in einen benachbarten Dorf mit. Als sie sich dem Dorf näherten, begegneten sie einem Mann mit einem Bündel Zuckerrohr, das er auf dem Markt feilhalten wollte. Als er die beiden Kinder sah und sich wohl dachte, dass der Vater zu arm sei, um etwas kaufen zu können, schenkte er jedem der beiden Knaben ein Stück Zuckerrohr. Während der kleinere von ihnen begierig sein Stück zum Munde führte, ermahnte Maung Tun Kyaing ihn, nicht zu essen, bevor er dem Geber gedankt oder einen Segenswunsch für ihn gesprochen hätte (…). Während er so zu ihm sprach, war es, als ob die Tore seines Gedächtnisses plötzlich aufgestoßen wurden, und unter dem Eindruck aufwallender Erinnerung bat er den Vater, ihn auf die Schulter zu heben, damit er über die Tugend des Gebens (die in der Lehre des Buddha als die erste der „zehn großen Tugenden“ gilt) predigen könne. Der Vater gewährte gutmütig lächelnd seinen Wunsch, den er für eine kindliche Laune hielt. Aber zu seiner und der Umstehenden Überraschung begann der Knabe eine Predigt über den Segen des Gebens zu halten, wie selbst ein religiöser Lehrer es nicht besser hätte tun können. Mehr und mehr Leute versammelten sich um den kleinen Prediger sodass der Vater ganz verwirrt wurde über die plötzliche Veränderung, die in dem Kinde vor sich gegangen war. Der Knabe blieb jedoch davon unberührt und sagte, nachdem er seine Predigt beendet hatte: „Komm, Vater, wir wollen zu meinem Kyaung gehen.“ – „Was meinst du mit ‚deinem Kyaung‘?“ – „Das Kloster dort! Kennst du es nicht?“ – „Ich erinnere mich nicht, daß du je dort gewesen wärst“, erwiderte der Vater. „aber gehen wir trotzdem hin und sehen es uns an.“

Als sie das Kloster erreichten, trafen sie einen älteren Mönch, der, wie sich herausstellte, der Abt des Kyaung war. Maung Tun Kyaing aber schien in Gedanken verloren zu sein und schaute ihn an, ohne ihn der Sitte gemäß zu begrüßen. Der Vater schalt ihn daher und sagte: „Willst du nicht dem ehrwürdigen Thera den schuldigen Respekt erweisen?“ – Worauf der Knabe den Abt grüßte, als wenn er seinesgleichen wäre, anstatt sich vor ihm in der vorgeschriebenen Weise zu verneigen und mit der Stirn den Boden zu berühren.

„Weißt du nicht, wer ich bin?“ fragte der Abt.

„Gewiss, ich weiß es“, sagte der Knabe ohne die geringste Verlegenheit. Und als der Abt ihn verwundert anschaute, erwähnte der Knabe den Namen des Thera.

„Woher weißt du das? Hat dir jemand meinen Namen gesagt?“

„Nein“, entgegnete der Knabe. „Erinnerst du dich meiner nicht mehr? Ich war dein Lehrer, U Pandeissa.“

Der Abt war aufs höchste überrascht, aber um sicher zu gehen, fragte er den Knaben: „Wenn dem so ist, so wirst du auch wissen, wer ich war, bevor ich in den Orden trat. Wenn du dich daran erinnerst, so flüstere den Namen in mein Ohr.“ (Anmerkung in einer Fußnote: Wenn jemand in den Orden eintritt, beginnt er ein völlig neues Leben, erhält einen neuen Namen und gebraucht von da an nie mehr seinen früheren Namen. Ein Ordensmitglied mit seinem Laiennamen anzureden, würde einer Beleidigung gleichkommen (…))

Der Knabe tat, wie ihm geheißen. Und als der Thera seinen Namen hörte, den niemand kannte außer ihm und den wenigen, die ihn noch aus seiner Jugend erinnerten und mit ihm alt geworden waren, fiel er dem Knaben zu Füßen, berührte den Boden mit der Stirn und rief mit Tränen in den Augen aus: „Ich weiß es nun – du bist wirklich mein Lehrer.“

Er führte ihn, zusammen mit seinem Vater und seinem kleinen Bruder, ins Kloster, WO Maung Tun Kyaing sich jeder Einzelheit erinnerte und sogleich auf den Raum im östlichen Flügel des Gebäudes hinwies, in dem er gewohnt hatte, und ebenso auf den Platz, an dem er zu meditieren pflegte, auf die von ihm besonders verehrte Buddhastatue, vor der er täglich Lichter und Weihrauch angezündet hatte, und auf vieles andere, an das auch der alte Thera sich erinnern konnte. Es waren ja noch nicht so viele Jahre verflossen, seit U Pandeissa, der Abt von Yunkyaung (wie das Kloster hieß) gestorben war.

Das Wichtigste und Bedeutsamste aber war, dass Maung Tun Kyaing sich nicht nur an die allgemeinen Umstände seines früheren Lebens erinnerte, sondern dass er auch sein früheres Wissen bewahrt hatte. Als der Thera ihm einige alte Pali-Texte zeigte, erwies der Knabe sich als fähig, sie zu lesen und zu verstehen, obwohl er nie eine Schule besucht hatte und in einem Heim aufgewachsen war, in dem niemand lesen oder schreiben konnte – gar nicht zu reden von irgendwelchen Kenntnissen der Pali-Sprache. (…)

Shanti Devi (a. a. O. S. 222 ff.)

Ein kleines Mädchen namens Shanti Devi, das mit seinen Eltern in Delhi lebte, behauptete, dass es verheiratet sei und dass sein Ehemann, Kedarnath Chaubey, zusammen mit seinem Sohn in Muttra lebe, einer Stadt, die etwa 150 km von Delhi entfernt liegt. Als das Mädchen über diese Dinge zu sprechen begann, war es kaum drei Jahre alt, und niemand schenkte seinen Aussagen Beachtung, in der Annahme, dass es nur kindliches Spiel sei, in Nachahmung von Gesprächen Erwachsener. Als aber das Mädchen etwa acht Jahre alt war und noch immer auf seinen Aussagen betreffs seines Gatten und seines Sohnes beharrte, begann sein Großonkel, Professor Kishen Chand, zu vermuten, dass es sich doch vielleicht um mehr als kindliche Phantasie handle. Er fand heraus, dass in der von Shanti Devi beschriebenen Örtlichkeit in Muttra tatsächlich jemand mit dem Namen Kedarnath Chaubey lebte. Der Professor setzte sich sofort mit Chaubey in Verbindung und erzählte ihm alles, was das Mädchen gesagt hatte. Dies war ein ziemlicher Schock für Chaubey, der inzwischen wieder geheiratet hatte. Zugleich aber befürchtete er, dass jemand dem Professor und ihm einen Streich zu spielen versuchte. Als sich jedoch herausstellte, dass alle Einzelheiten stimmten, gab er schließlich seine Einwilligung, Shanti im Hause ihrer Eltern aufzusuchen.

Am 13. November 1935 reiste Kedarnath Chaubey mit seiner zweiten Frau und seinem zehnjährigen Sohn aus erster Ehe nach Delhi. Shanti war von ihrem Kommen nicht benachrichtigt worden. Sobald sie jedoch den Raum betrat, in dem ihre Eltern und die Besucher versammelt waren, erkannte sie Kedaranth als ihren früheren Gatten und den Knaben als ihren Sohn. Sie umarmte den Knaben mit Tränen in den Augen und nannte ihn mit allen Kosenamen, deren ihr früherer Gatte sich so lebhaft erinnerte. Wenn er noch irgendwelchen Zweifel an Shantis Identität gehegt hatte, so war nun die letzte Spur davon getilgt. Das Mädchen erinnerte ihren früheren Gatten auch an kleine intime Geschehnisse ihres Ehelbens, die nur ihnen bekannt waren, und das machte den Beweis vollständig.

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Nun wurden auch andere Leute auf den Fall aufmerksam, und Deshbandu Gupta, der Präsident der AII-India Newspaper Editor’s Conference und Mitglied des indischen Parlaments, nahm weitere Nachforschungen auf, um sich von der Wahrheit von Shantis vorgeburtlichen Erinnerungen zu überzeugen. Er nahm sie daher mit sich nach Muttra und bat sie, ihm und den anderen, die mit ihnen gekommen waren, den Weg zu ihrem früheren Heim zu zeigen. Sie nahmen eine Tanga (einen zweirädrigen Pferdewagen), und Shanti wies mit unbeirrbarer Sicherheit den Weg durch viele enge Gassen und die gewundenen Straßen der Stadt zu dem Haus, in dem sie mit ihrem Gatten gelebt hatte. Sie bemerkte sogleich, dass das Haus in einer anderen Farbe gestrichen war als zu ihrer Zeit. „Ich erinnere mich, dass es gelb war und nicht weiß, wie es jetzt ist“, rief sie aus. Dies erwies sich als richtig. Kedarnath hatte das Haus nach ihrem Tode verlassen, und seine neuen Bewohner hatten es weiß tünchen lassen. Kedarnath brachte die Gesellschaft sodann zu seiner neuen Wohnung, und danach führte Shanti sie zum Haus ihrer früheren Mutter. Auch hier bemerkte sie sogleich gewisse Veränderungen. „Im Garten war ein Ziehbrunnen“, sagte sie. „Was ist damit geschehen?“ Sie zeigte auf die Stelle, wo er gewesen war, und als man dort nachgrub, fand man den Brunnen unter einer großen Steinplatte, die mit Erde überdeckt worden war. Shanti erkannte auch ihre früheren Eltern wieder und ihren früheren Schwiegervater, einen vom Alter gebeugten Brahmanen. – So hatten sich alle ihre Erinnerungen bis in die letzte Einzelheit als wahrheitsgemäß erwiesen. (…)

Shanti Devi hat nie geheiratet, sondern weihte ihr Leben dem Dienst ihrer Mitmenschen. Sie wurde eine erfolgreiche Lehrerin an einer höheren Schule Delhis. Freunde, die sie persönlich kennen, sagten mir, dass sie ein tiefreligiöses Leben führt und einen Ashram zu gründen beabsichtigt, in dem sie sich völlig ihrer sadhana (ihrer religiösen Hingabe) und denen, die ihre religiösen Ideale teilen, widmen kann.

Lama Anagarika Govinda (a. a. O. S. 231 ff.)

Ich möchte dieses Kapitel abschließen mit dem Bericht über eine Wiedergeburtserfahrung, die Lama Govinda selbst betrifft. Er hatte zwar keine bewusste – oder, wie Stevenson es nennt, bildhafte – Erinnerung an ein Vorleben, aber seine frühere Existenz wirkte sich auf verschiedene Weisen in seinem gegenwärtigen Leben aus. Der folgende Bericht schildert, wie er sich dieser Auswirkungen schließlich bewusst wurde.

Im Alter von einundzwanzig Jahren – bereits überzeugter Buddhist, aber noch kein Mönch – lebte er auf der Insel Capri, und nahm dort eines Tages aus Neugier an einer spiritistischen Seance teil, wie sie damals in Mode waren. Er berichtet darüber:

Als der schwere Mahagonitisch sich zu bewegen begann, machte einer der Teilnehmer den Vorschlag, Fragen über die vorgeburtlichen Existenzen der Anwesenden zu stellen. (…) Als der Frager sich über mein früheres Leben erkundigte, buchstabierte der Tisch einen Namen, der augenscheinlich lateinisch war und den niemand der Anwesenden je gehört hatte. Auch ich war verwundert, obgleich mir war, als ob ich einen solchen Namen gelegentlich in einer Bibliographie gelesen hätte, und zwar als Pseudonym eines weniger bekannten Autors, dessen Name mir entfallen war. Auf jeden Fall maß ich dieser Antwort keine Bedeutung bei (…)

Einige Zeit danach geschah es, dass ich einem anderen Freund, einem jungen deutschen Archäologen, eine Geschichte vorlas, die ich in meiner Kindheit geschrieben hatte und die den Anfang einer mystischen Novelle darstellte, in der ich meinen religiösen Überzeugungen und inneren Erfahrungen Ausdruck verleihen wollte. Mein Freund war einige Jahre älter als ich; ich hatte große Achtung vor seinem literarischen und kunstgeschichtlichen Wissen und schätzte sein reifes Urteil.

Nachdem ich eine Weile gelesen hatte, unterbrach er mich plötzlich und rief: „Woher hast du dies? Hast du je etwas gelesen von –„, und hier erwähnte er denselben Namen, an dem ich und die anderen Teilnehmer an der erwähnten Seance herumgerätselt hatten.

„Das ist wirklich sonderbar.“ sagte ich. „Das ist jetzt das zweite Mal, dass ich diesen Namen höre.“ Und dann erzählte ich ihm, wie der Name in der Seance aufgetaucht war.

Mein Freund erklärte mir daraufhin, dass dieser Autor eine ähnliche Novelle zu schreiben begonnen hätte, ohne sie je zu beenden, weil er in sehr jungen Jahren gestorben sei, und zwar an derselben Krankheit (Tuberkulose), die mich zum Aufenthalt in einem Sanatorium des Tessins gezwungen hatte, wo mein Freund und ich uns kennen gelernt hatten. Nicht nur der Hintergrund meiner Geschichte und die darin ausgesprochenen Ideen glichen denen jenes Autors, sondern sogar der Stil, die besondere Art der Phantasie, die Symbole und gewisse typische Phrasen.

Ich war aufs höchste überrascht und versicherte meinem Freund, dass ich nie in meinem Leben eine Zeile dieses Autors gelesen hätte. Das war nicht weiter verwunderlich, denn er war vor etwa hundert Jahren gestorben und zu meiner Zeit noch nicht so populär, dass er in das normale Pensum einer höheren Schule aufgenommen worden wäre. Tief beeindruckt von den Worten meines Freundes, beschloss ich, mir sofort die Werke, von denen er gesprochen hatte, zu beschaffen. Bevor ich sie aber bekommen konnte (da sie in italienischen Buchhandlungen nicht zu haben waren), geschahen andere seltsame Dinge.

Ich war eines Tages zu einer Geburtstagsgesellschaft eingeladen, auf der, wie dies in Capri meist der Fall war, die verschiedensten Nationalitäten vertreten waren. Unter den Gästen befand sich auch ein deutscher Gelehrter, der soeben erst auf der Insel zu einem kurzen Aufenthalt eingetroffen war und den ich bisher nicht kennen gelernt hatte. Als ich den Raum betrat, in dem die Gäste versammelt waren, nahm ich den Ausdruck äußerster Überraschung auf dem Gesicht des Neuankömmlings wahr; und selbst nachdem ich ihm vorgestellt worden war, fühlte ich dauernd seinen Blick auf mir ruhen.

Einige Tage später begegnete ich der Gastgeberin jener Geburtstagsgesellschaft wieder und fragte sie: „Wer war der Herr, dem Sie mich neulich vorstellten? Ich wunderte mich, warum er mich die ganze Zeit anstarrte. Ich habe ihn nie zuvor getroffen und kann mich nicht einmal seines Namens erinnern.“

„Sie meinen Doktor X.? – Nun, der ist schon wieder abgereist. Aber ich kann Ihnen sagen, was ihn so sehr an Ihnen interessierte. Er schreibt die Biographie eines deutschen Dichters und Mystikers, der vor etwa einem Jahrhundert starb und dessen Schriften er neu herausbringt. Als Sie ins Zimmer traten, konnte er kaum seiner Überraschung Herr werden – wie er mir später sagte – wegen der frappanten Ähnlichkeit zwischen Ihnen und dem einzigen erhaltenen Porträt jenes Dichters aus der Zeit, da er in Ihrem Alter war. Die Ähnlichkeit sei so außergewöhnlich, dass es ihn fast wie einen Schock getroffen hätte.“

Eine weitere Überraschung harrte meiner. Als die von mir bestellten Bücher endlich eintrafen, erkannte ich nicht nur wesentliche Teile „meiner“ Geschichte wieder, sondern fand, dass gewisse Stellen wörtlich mit denen von mir in meiner Kindheit geschriebenen übereinstimmten! Je weiter ich las, desto klarer wurde es mir, dass ich meine eigenen innersten Gedanken darin wiedergegeben fand, und zwar genau in den Worten und Bildern, die ich selbst zu brauchen pflegte. Es war aber nicht nur meine Vorstellungswelt, die ich in jedem Detail widergespiegelt fand; ich entdeckte dort noch etwas viel Wichtigeres, etwas, das mir als das Hauptwerk meines gegenwärtigen Lebens vorschwebte: die Umrisse einer Morphologie der menschlichen Kultur, die in einer magischen Schau des Universums gipfelte. (…)

Bei dem Dichter, von dem hier wiederholt die Rede war, handelt es sich offensichtlich um den Freiherrn Georg Philipp Friedrich Leopold von Hardenberg, der seine Werke unter dem Pseudonym Novalis veröffentlichte. Er starb 1801 – neunundzwanzigjährig – an Tuberkulose.

3.) Die Ergebnisse Ian Stevensons Reinkarnationsforschung – Beweise für Reinkarnation / Wiedergeburt? 

Ian Stevenson war Professor an der Universität von Virginia (USA), in deren Besitz und Obhut sich auch die Dokumentationen seiner Arbeiten („ungemein objektiv und methodisch über jeden Zweifel erhaben“ – Wissenschaftsmagazin Omni) befinden. Stevenson sammelte und untersuchte mit seinen Mitarbeitern seit den frühen sechziger Jahren Berichte kleiner Kinder aus der ganzen Welt über frühere Leben. Die Ergebnisse hat er in einer großen Zahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen dargestellt sowie in einer allgemeinverständlichen Zusammenfassung, auf die ich mich hier beziehe (Stevenson, Wiedergeburt, Kinder erinnern sich an frühere Erdenleben, Verlag Zweitausendeins 1992). In diesem Buch sind unter anderem die Zusammenfassungen von zwölf Fallbeschreibungen enthalten. (Insgesamt hat er fünfundsechzig detaillierte Fallstudien veröffentlicht, und mehr als hundert befanden sich in Vorbereitung. Seine Sammlung von untersuchten Fällen, die Reinkarnation als Erklärung nahe legen – wobei seine Kriterien sehr streng sind – umfasst mehr als zweitausend Fälle.) Ferner enthält das Buch eine umfassende Bibliographie zum Thema sowie einen umfangreichen Apparat von wissenschaftlichen Anmerkungen und Quellenangaben für ernsthaftere Interessenten. Im Vorwort schreibt er:

Ich würde es missbilligen, wenn jemand, – allein durch die Lektüre dieses Buches –- vom Skeptizismus oder von Unwissenheit bezüglich der Reinkarnationslehre zu einer gefestigten Überzeugung gelangte, dass Reinkarnation auftritt. Ich würde schon zufrieden sein, wenn es mir gelingt, die Idee der Reinkarnation solchen Menschen plausibel zu machen, denen sie bisher nicht einleuchtend erschienen ist; und wenn einige von ihnen, es der Mühe Wert erachten, das Material in meinen detaillierten Fallbeschreibungen zu studieren, dann habe ich mehr erreicht, als ich mir vorgenommen habe. (…)

Es mag widersprüchlich scheinen, gerade nachdem ich die Leser eingeladen habe, mir Informationen über neue Fälle zu schicken, dass ich mit diesem Buch auch von einem absichtlichen Suchen nach Erinnerungen an frühere Leben abraten möchte – sei es durch Drogen, Meditation oder Hypnose. Unglücklicherweise haben einige Hypnotiseure behauptet, dass jedermann Erinnerungen an frühere leben durch Hypnose wiedergewinnen könne, und für diese Technik wird großer therapeutischer Nutzen beansprucht oder angedeutet. Ich werde versuchen, einen irregeleiteten und oft schamlos ausgebeuteten Enthusiasmus für Hypnose zu dämpfen, besonders wenn sie als sicheres Mittel vorgeschlagen wird, Erinnerungen an frühere Leben hervorzurufen.

Nachdem sich andere Methoden der Materialgewinnung als unbefriedigend und für wissenschaftliche Zwecke unbrauchbar erwiesen hatten, beschränkte sich Stevenson auf die Sammlung und Auswertung spontaner Äußerungen kleiner Kinder. Als Gründe für seine hohe Bewertung dieser Aussagen nennt er:

Mit seltenen Ausnahmen sprechen die Kinder aus eigenem Antrieb; niemand hat ihnen nahegelegt, zu versuchen, sich eines früheren Lebens zu erinnern. In dem jungen Alter, in dem sie gewöhnlich erstmals über die früheren Leben sprechen, haben sie auf normalen Wegen noch nicht viel Informationen über verstorbene Personen (die sie früher angeblich gewesen waren), aufgenommen. Darüber hinaus können wir gewöhnlich in zufrieden stellender Weise die Wahrscheinlichkeit dafür abschätzen, dass sie, was immer sie an Informationen über solche Personen mitteilen, auf normalem Weg erworben haben.

Auf die zwölf dargestellten Fälle selbst brauche ich hier nicht einzugehen, da sie gegenüber den von Lama Govinda berichteten nichts Neues enthalten. Im Anschluss an die Falldarstellungen berichtet Stevenson über (gelegentlich) wiederkehrende Charakteristika der Fälle. Dazu gehören

  • Voraussagen der Inkarnation vor dem Tod
  • Ankündigungsträume der Wiedergeburt, im allgemeinen bei der künftigen Mutter
  • Muttermale und angeborene Missbildungen aus dem früheren Leben.

Über die Modalitäten der Aussagen der Kinder über das frühere Leben berichtet Stevenson:

Ein Kind, das über ein früheres Leben spricht, beginnt damit nahezu immer im Alter zwischen zwei und fünf Jahren. In einer Stichprobe von zweihundertfünfunddreißig Fällen in Indien und neunundsiebzig amerikanischen Fällen betrug das Durchschnittsalter, in dem Kinder über das frühere Leben zu sprechen begannen, jeweils achtunddreißig Monate.

Wenn ein kleines Kind bildhafte Vorstellungen von einem früheren Leben hat, so fehlen ihm fast immer die verbalen Fähigkeiten, das auszudrücken, was es sagen möchte. Trotzdem beginnen einige Kinder, über das frühere Leben zu sprechen, ehe ihre verbalen Fähigkeiten weit genug entwickelt sind, die Bilder in ihrer Vorstellung adäquat auszudrücken. Diese Kinder sprechen oft einzelne Wörter falsch aus und verwenden Gesten, um ein unzureichendes Vokabular auszugleichen.

Die Fülle der Details, die erinnert werden, variiert bei den Kindern beträchtlich. Manche erinnern sich nur an weniges aus dem früheren Leben; andere könnten Bände mit ihren Erinnerungen füllen. Wenn diese Details nicht aufgezeichnet werden, gehen sie meist größtenteils verloren. Denn die Kinder hören fast immer im Alter zwischen fünf und acht Jahren auf, über das frühere Leben zu sprechen, einige schon früher und einige erst später. So stehen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum mehr als drei Jahre zur Verfügung, um diese Erinnerungen anderen mitzuteilen. Etwa im Alter von fünf Jahren beginnen starke Schichten verbaler Information die Bilder zu überdecken, in denen seine Erinnerungen anscheinend hauptsächlich übermittelt werden; der Verlust der Erinnerungen an ein früheres Leben setzt ein und beendet weitere Mitteilungen derselben.

Über das Verhalten der Kinder in Bezug auf das frühere Leben führt Stevenson aus:

Die Subjekte dieser Fälle weisen oft eine oder auch zwei Arten von Verhaltensweisen auf, die in ihrer Familie nicht gebräuchlich sind.

Erstens mag das Kind Emotionen in Bezug auf die Familie des früheren Lebens zeigen, die mit seinen Erinnerungen in Einklang sind. (…)

Der zweite Typ ungewöhnlichen Verhaltens besteht in Charakterzügen (wie Ängsten, Vorlieben, Interessen und besonderen Fähigkeiten), die für die Familie des Kindes ungewöhnlich sind, aber Eigenschaften entsprechen, von denen man bei der früheren Persönlichkeit wusste oder von denen man vernünftigerweise annehmen konnte, sie habe sie besessen. Die anderen Angehörigen der Familie zeigen in solchen Fällen entweder keine ähnlichen Charakterzüge, oder sie weisen sie in geringerem Umfang auf; und die Entwicklung dieser Züge kann nicht auf irgendwelche Ereignisse zurückgeführt werden, die dem Kind widerfuhren, ehe diese Züge sich manifestiert haben:

Phobien, die in Zusammenhang mit der Todesart der früheren Persönlichkeit stehen, haben mich besonders beeindruckt. Sie kommen häufig vor. Unter zweihundertzweiundfünfzig Fällen, in denen die frühere Persönlichkeit gewaltsam gestorben war, stellten wir in einhundertsiebenundzwanzig Fällen (50%) Phobien fest. Wenn die frühere Persönlichkeit ertrunken ist, kann es leicht zu einer Wasserphobie kommen; wenn sie erschossen wurde, so neigt das Subjekt dazu, eine Phobie bezüglich Schusswaffen zu entwickeln. (…)

Vorliebe für bestimmte Nahrungsmittel (und auch Abneigungen dagegen) bilden eine andere große Kategorie ungewöhnlichen Verhaltens, das die Subjekte dieser Fälle zeigen. (…)

Für sich genommen, sind nur wenige dieser Verhaltensweisen spezifisch für diese Fälle; viele Kinder weisen sie auf und ebenso manche Erwachsene. Aber als Gesamtheit betrachtet sind sie eindrucksvoll, da diese Kinder oft ein Syndrom von Verhaltensweisen zeigen, die sie von anderen Familienmitgliedern unterscheiden, aber den Menschen charakterisieren, der gewesen zu sein das Subjekt behauptet. (Hier folgt im Text eine Reihe eindrucksvoller Beispiele.)

Diese so genannten Verhaltenserinnerungen bleiben oft länger bestehen als die bildhaften Erinnerungen.

Über den zeitlichen Abstand zwischen dem Tod der früheren Persönlichkeit und der Geburt der Person schreibt Stevenson:

Mit Ausnahme einer kleinen Zahl von Extremfällen und Beispielen mit anormalen Daten (…) liegt die Zeitspanne zwischen dem Tod der früheren Persönlichkeit und der Geburt des betreffenden Kindes gewöhnlich unterhalb von drei Jahren. Der Medianwert dieses Zeitabstandes variiert von Kultur zu Kultur und erstreckt sich von sechs Monaten bei Fällen im Libanon bis zu achtundzwanzig Monaten bei Tlingit-Fällen. Der Medianwert für sechshundertsechzehn Fälle aus zehn verschiedenen Kulturen betrug fünfzehn Monate.

Es gibt einen weitverbreiteten Glauben über die Reinkarnation, nach dem ein gewaltsamer Tod zu einer rascheren Reinkarnation führt als ein natürliches Ableben. Unsere Daten scheinen diese Vorstellung zu stützen. Unter den gesamten Fällen aus dem Nordwesten Amerikas (der Region, in der unsere standesamtlichen Daten die größte Zuverlässigkeit aufweisen) gab es eine signifikant kürzere Zeitspanne zwischen Tod und angenommener Wiedergeburt in Fällen mit gewaltsamem Tod, verglichen mit solchen mit natürlichem Tod. Bei einer Analyse von Fällen in Indien erzielten wir ähnliche Ergebnisse. (…)

Bei einer kleinen Zahl von Fällen (das sind die mit den oben erwähnten anormalen Daten) wurde das Kind geboren, bevor die Person, deren Leben es erinnerte, starb. (Die Zeitabstände variieren zwischen ein oder zwei Tagen und mehreren Jahren.) In Fällen dieser Art, wenn man sie für bare Münze nimmt, scheint es so zu sein, dass der Körper des Subjekts schon voll ausgebildet und wohl durch eine Persönlichkeit besetzt war, bevor eine andere ihn übernahm. Wir mögen hier von einer Art Körperdiebstahl sprechen, der oft Besessenheit genannt wird.

Der schnellste Weg, solche peinlichen Fälle loszuwerden, besteht darin, anzunehmen, beim Aufzeichnen der Daten seien Fehler gemacht worden, und in einigen Fällen wird diese Annahme durch eine gewisse Unsicherheit bei den genaueren Daten gestützt. Ich habe mich jedoch überzeugt, dass wir in mindestens zehn Fällen dieser Art genaue Daten haben und die Anomalie doch bestehen bleibt.

Der geringe Abstand zwischen Tod und (angenommener) Wiedergeburt, der von Stevenson beobachtet wurde, trifft auch in dreien der vier Fälle zu, von denen Lama Govinda berichtet. Lediglich in seinem eigenen Fall ist der Zeitraum wesentlich länger, es sei denn, es habe dazwischen mindestens eine weitere Reinkarnation stattgefunden. Es gibt aber eine große Zahl weiterer Berichte, über die später zu sprechen sein wird, bei denen die Zeit zwischen Tod und Wiedergeburt ebenfalls erheblich länger gewesen zu sein scheint, nämlich mehrere Jahrzehnte bis Jahrhunderte. Stevenson selbst räumt dazu ein, dass die von ihm untersuchten Fälle „aus verschiedenen Gründen nicht repräsentativ sein“ mögen. Der eine Grund ist der hohe Anteil der Fälle, bei denen die erinnerte Personen eines gewaltsamen Todes gestorben war. Bei den „gelösten Fällen“ (das sind solche, bei denen Stevenson und seine Mitarbeiter überzeugt sind, dass sich die Aussagen des Kindes auf eine, und auf genau eine, verstorbene Personen beziehen) lag ein verifizierter gewaltsamer Tod in 51% der Fälle vor, bei den ungelösten Fällen gaben sogar 91 % der Subjekte an, der Tod, dessen sie sich erinnerten, sei ein gewaltsamer gewesen. Selbst der kleinere der beiden Werte ist noch immer weitaus größer als der Prozentsatz gewaltsamer Todesfälle in der Gesamtbevölkerung, der selbst in Indien (wo er besonders hoch war) zur betreffenden Zeit unter 7% lag. Da, wie schon oben erwähnt, die Zeitspanne zwischen Tod und angenommener Wiedergeburt in Fällen mit gewaltsamen Tod signifikant kürzer als bei den übrigen Fällen war, führt ihr überdurchschnittlich hoher Anteil zu einer Herabsetzung des beobachteten Mittelwertes.

Ein weiterer Grund ist nach Stevenson folgender:

Der kurze Zeitraum zwischen Tod und Wiedergeburt mag zur Entwicklung eines Falles (d.h. zum Auftreten von Erinnerungen an ein Vorleben) beigetragen haben. Bei den Analysen, die wir bislang durchgeführt haben, konnten wir (zwar) keine Korrelation zwischen der Länge des Zeitraumes zwischen Tod und mutmaßlicher Wiedergeburt und der Vielfalt von Erinnerungen, die das Subjekt eines Falles mitteilte, feststellen. Wenn jedoch in einer Welt körperloser Seelen die Erinnerungen mit der Zeit abklingen – wie es in unserer gewöhnlichen Welt der Fall ist -, so würden wir kaum Fälle mit verifizierten Erinnerungen finden, wenn das Intervall länger ist als die äußersten Schranken der Fälle, die uns heute bekannt sind, also (bis auf ein paar seltene Ausnahmen) etwa fünfundzwanzig Jahre. Wenn die Reinkarnation für längere Zeitspannen als diese verzögert wäre, könnten Erinnerungen deutlich nachlassen, und aus solchen Inkarnationen wären für unsere epidemiologischen Studien keine identifizierbaren Fälle verfügbar. Es bleibt daher denkbar, dass für einen größeren Anteil aller existierenden Seelen das Intervall zwischen Tod und Wiedergeburt länger ist – vielleicht viel länger – als bei den Fällen, die uns bislang bekannt geworden sind.

Die Arbeiten Stevensons haben, obwohl ihre Anfänge schon fast vierzig Jahre zurückliegen und obwohl sie mit denkbar größter wissenschaftlicher Zuverlässigkeit durchgeführt und in mindestens zweiunddreißig Veröffentlichungen, die allen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, dargestellt wurden, nur geringes Echo gefunden. Dies ist auf den ersten Blick erstaunlich, besonders wenn man die Bedeutung seiner Ergebnisse für die Menschheit insgesamt wie für jedes einzelne Individuum bedenkt. Auf den zweiten Blick jedoch ist diese Tatsache keineswegs erstaunlich, sondern genau das, was jeder erwarten musste, der auch nur einige Kenntnisse der Menschen und der Wissenschaftsgeschichte besitzt. Alles Neue und Unbekannte erzeugt als solches schon Angst, wenn es einen selbst betrifft, und diese Angst kann sich beträchtlich steigern, wenn das Neue von so tiefgreifender existentieller Bedeutung ist wie in diesem Fall. Die naheliegende und bequemste Reaktion darauf – auch bei Politikern häufig zu beobachten – ist das Ignorieren: nichts hören und nichts sehen wollen, oft genug so lange, bis es zu spät ist. In Deutschland blieb auch die erste Auflage des oben zitierten populärwissenschaftlichen Buches von Stevenson, die zuerst 1989 im Aquamarin Verlag erschienen war, fast unbeachtet. Erst nachdem sich der Verlag Zweitausendeins des Werkes angenommen hatte (1992), erschien bereits fünf Monate später die zweite Auflage.

Ein anderer Komplex von Tatsachen, der gleichfalls in Gefahr ist, dieser Ignoranz zum Opfer zu fallen, ist der „Fall Edgar Cayce“. Die Biographie Cayces (Thomas Sugrue, Edgar Cayce) ist, ebenso wie einige andere Bücher über ihn, in der Taschenbuchreihe des Knaur Verlages erschienen, bezeichnender- und bedauerlicherweise aber nicht etwa unter einem der Stichworte Naturwissenschaft, Medizin oder Anthropologie, sondern unter Esoterik, in der Nachbarschaft zahlreicher mehr oder weniger fragwürdiger Produkte des florierenden Esoterik-Marktes.

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4.) Die „Lebensberichte“ Edgar Cayces

Weil diese Berichte so ungewöhnlich sind, erscheint es mir nötig, zunächst ihre Vorgeschichte und ihr Umfeld etwas genauer zu beschreiben.

Der Seher und Prophet (wie Alois Irlmaier) Edgar Cayce wurde 1877 als Sohn eines kleinen Farmers in der Nähe von Hopkinsville, Kentucky, geboren. Er besuchte eine Landschule und zog schließlich, da ihm das Leben auf der Farm nicht zusagte, in die Stadt, wo er als Gehilfe in einer Buchhandlung und dann als Versicherungskaufmann arbeitete. Als er einundzwanzig Jahre alt war, wurde er von einer Kehlkopfentzündung befallen und verlor seine Stimme. Alle medizinischen Behandlungen waren wirkungslos. Er musste seinen Beruf aufgeben und lebte fast ein Jahr lang wieder bei seinen Eltern. Dann begann er eine Lehre als Photograph und Photohändler – eine Beschäftigung, die kaum Anforderungen an seine Stimme stellte. Eines Tages kam ein reisender Hypnotiseur nach Hopkinsville und gab dort einige Vorstellungen. Dieser hörte von Cayce und versuchte ihm zu helfen. Tatsächlich konnte Cayce in Hypnose wieder normal sprechen, aber die üblichen posthypnotischen Befehle blieben wirkungslos. Doch ein ortsansässiger Mann namens LAYNE hatte den Fall mit Interesse verfolgt. Er beschäftigte sich selbst mit Suggestionsheilung und Chiropraktik und besaß auch eine gewisse Begabung als Hypnotiseur. Layne fragte nun Cayce, ob er ihm zu helfen versuchen dürfe, und Cayce sagte zu. Layne hatte die ungewöhnliche Idee, dass Cayce in Hypnose selbst die Art seines Leidens beschreiben sollte – und tatsächlich führte Cayce genau die von Layne suggerierte Selbstdiagnose aus. Mit normaler Stimme begann er den Zustand seiner eigenen Stimmbänder zu beschreiben, wobei er bereits eine Redeweise benutzte, die danach jahrzehntelang fast unverändert bleiben sollte. „Ja,“ begann er, „wir können den Körper sehen. Im Normalzustand vermag dieser Körper keine Sprechfunktion auszuüben, weil eine durch Nervenüberanstrengung verursachte Teillähmung der inneren Muskeln der Stimmbänder vorliegt. Es handelt sich hierbei um eine seelische Störung, die einen körperlichen Defekt bewirkte. Dieser könnte durch eine Kreislaufanregung in den befallenen Organen behoben werden, die durch Suggestion im hypnotischen Zustand möglich ist.“ Layne suggerierte sofort, dass Cayces Kreislauf in den betroffenen Organen angeregt würde, und allmählich begannen sich Cayces Halspartie und sein Schlund rosa, dann rot und schließlich violett zu verfärben. Nach etwa zwanzig Minuten räusperte sich der in Hypnoseschlaf befindliche Mann und sagte: „Es ist jetzt alles in Ordnung. Das Übel ist beseitigt. Geben Sie die Suggestion, dass der Blutkreislauf wieder normal werde und die Person danach erwache.“ Layne folgte dieser Anweisung. Cayce erwachte und begann zum ersten Mal nach mehr als einem Jahr wieder normal zu sprechen. In den folgenden Monaten erfuhr er gelegentliche Rückschläge, die aber schnell und schließlich endgültig überwunden wurden, indem Layne jedes Mal die gleiche Suggestion anwandte.

Nun war Laynes Forschergeist noch mehr angestachelt, und er bot sich selbst als Versuchsobjekt an. Er hatte seit längerer Zeit ein Magenleiden, das zwar genau diagnostiziert worden war, aber nicht geheilt werden konnte. Cayce beschrieb in Hypnose die Symptome in Laynes Körper und schlug eine bislang unbekannte Therapie vor, die aus Arzneimittelbehandlung, Diät und Übungen bestand. Bereits nach drei Wochen spürte Layne eine beträchtliche Besserung.

Cayce stand der ganzen Angelegenheit skeptisch und voller Skrupel gegenüber und suchte in der von ihm sehr geliebten und verehrten Bibel nach einer Antwort. Schließlich erklärte er sich auf das unermüdliche Drängen und Beschwichtigen Laynes hin bereit, solchen Menschen zu helfen, die unbedingt von ihm behandelt werden wollten, weigerte sich aber, für seine Bemühungen Geld anzunehmen. Layne begann, von Cayces „Kundgaben“ stenographische Niederschriften anzufertigen, später wurde diese Aufgabe von einer Stenographin übernommen. Auf diese Weise entstanden genaue Berichte über jeden einzelnen der mehr als dreißigtausend Fälle. Diese Berichte werden im Cayce-Archiv in Virginia Beach aufbewahrt und können von jeder qualifizierten Person eingesehen werden.

Cayce entdeckte schließlich, dass es ihm auch möglich war, Ferndiagnosen zu erstellen, wenn ihm in Trancezustand der genaue Name der kranken Person und deren Aufenthaltsort mitgeteilt wurden. Oft begann er seine Kundgaben über diese räumlich entfernten Menschen mit einigen Bemerkungen über deren Umgebung. „Hübsch rauer Wind hier diesen Morgen.“ – „Winterthur, Schweiz. Eine wirklich reizende Stadt! Schöner Fluss.“ – „Er will gerade das Haus verlassen und begibt sich in den Fahrstuhl.“ – „Kein hässlicher Schlafanzug.“ – „Ja, wir sehen, dass die Mutter betet.“ Diese Beschreibungen erwiesen sich als ausnahmslos richtig.

Neben der Zuverlässigkeit seiner Diagnosen und der Wirksamkeit der von ihm beschriebenen Therapien ist das überraschendste Phänomen, dass Cayce in hypnotischem Zustand die anatomische und physiologische Fachsprache perfekt beherrschte, obwohl er im Wachzustand nichts von Medizin wusste und kein einziges Buch darüber gelesen hatte. Doch statt vieler Worte sollen hier drei kurze Fallbeispiele das Ungewöhnliche beschreiben:

Ein junges Mädchen in Selma, Alabama, hatte zweifellos seinen Verstand verloren und sollte in eine Heilanstalt gebracht werden. Der Bruder des Mädchens erbat Cayces Hilfe. Cayce legte sich auf seine Couch, machte ein paar tiefe Atemzüge und versetzte sich selbst in Schlaf. Daraufhin gab man ihm die Anweisung, er möge den Körper des Mädchens sehen und diagnostizieren. Nach kurzer Pause begann Cayce zu sprechen und schilderte die physischen Bedingungen des Mädchen ganz genau. Er stellte fest, dass einer seiner Weisheitszähne verschoben war und dadurch auf einen ins Gehirn führenden Nerv einwirkte. Die Entfernung des Zahnes würde den Druck beseitigen und den normalen Geisteszustand der Kranken wieder herbeiführen. Nach Cayces Angaben wurde eine genaue Untersuchung vorgenommen und der Zahnfehler gefunden. Die Entfernung des Zahnes hatte die völlige Genesung des Mädchens zur Folge.

Ein Baby in Kentucky, das seit seiner Frühgeburt kränkelte, erlitt mit vier Monaten so schwere Krampfanfälle, dass die drei herbeigezogenen Ärzte zweifelten, ob das Kind den Tag überleben werde. In ihrer Not wandte sich die Mutter an Cayce und bat ihn um Hilfe. Cayce verschrieb im hypnotischen Zustand für das Baby eine bestimmte Dosis des Giftes Belladonna (Tollkirsche) und ein Gegengift, falls dieses notwendig werden sollte. Die empörten Einwände der Ärzte nicht beachtend, bestand die Mutter darauf, ihrem Kind die Dosis Belladonna selbst zu verabreichen. Fast sofort hörten die Krämpfe des Babys auf; es streckte sich entspannt aus und schlief ruhig ein. Sein Leben war gerettet.

(Alle bisherigen Zitate und Fallberichte stammen aus: Cerminara, Erregende Zeugnisse von Karma und Wiedergeburt, Knauer Taschenbuch, 1983. Die amerikanische Originalausgabe des Buches trägt den Titel „Many Mansions“ und erschien bereits 1950. Das folgende Beispiel ist der Cayce-Biographie von Thomas Sugrue entnommen:)

In einer seiner Kundgaben für einen Jungen mit einer sehr hartnäckigen Entzündung am Bein verordnete Cayce (genauer: seine „Quelle“) ein Präparat namens „Oil of Smoke“. Keiner der Apotheker am Ort kannte es, und in keinem pharmazeutischen Katalog war es aufgeführt. So wurde Cayce in einer weiteren Sitzung befragt, wie man an das verordnete Mittel kommen könne. Als Antwort wurde der Name eines Drugstores in Louisville gegeben. Der Leiter der Sitzung, ein Dr. Ketchum, telegraphierte dorthin und bat darum. Der Geschäftsinhaber kabelte zurück, er habe noch nie davon gehört. Nun wurde eine dritte Sitzung abgehalten. Dabei wurde mitgeteilt, in einem bestimmten Regal im hinteren Raum des Drogstores, und zwar hinter einem anderen Präparat, das namentlich genannt wurde, befände sich eine Flasche „Oil of Smoke“. Dr. Ketchum telegraphierte die Angaben nach Louisville. Umgehend kam die Antwort: „Gefunden“. Nach wenigen Tagen kam die Flasche an. Sie war recht alt, und das Etikett war verblasst. Die Firma, die das Mittel einst hergestellt hatte, war eingegangen. Aber es war genau das, was die Kundgabe gesagt hatte: „Oil of Smoke“.

Solche Berichte erscheinen den Menschen des naturwissenschaftlichen Zeitalters nicht nur höchst seltsam und absolut unerklärlich, sondern eben darum auch unglaubwürdig. Das hängt damit zusammen, dass Naturwissenschaft und Aufklärung jahrhundertelang gegen zahlreiche Formen und Behauptungen des Aberglaubens zu kämpfen hatten und dabei oft das Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben. So kam es dazu, dass die Naturwissenschaftler alles, was außerhalb ihres (doch recht engen) Forschungshorizontes liegt, als okkult, mystisch, esoterisch, irrational oder abergläubisch abqualifizieren und sich vorsichtshalber und bequemerweise erst gar nicht damit befassen. Sie übersehen dabei, dass große Gebiete der Physik – wie Magnetismus und Elektrizität – noch vor 250 Jahren „okkulte Wissenschaften“ waren, und wie schwer sich die Physiker noch in unserem Jahrhundert jahre- und jahrzehntelang mit den Entdeckungen Plancks und Einsteins getan haben. Wie die Menschen nun einmal sind, haben sie aus der Geschichte der Wissenschaft in dieser Hinsicht recht wenig gelernt. Goethes bekannte Wort „Man sieht immer nur, was man schon weiß“ lässt sich auch abwandeln in „Man sieht nicht, was man nicht schon weiß, und schon gar nicht, was man nicht wissen will“. So ist, nach den Worten seines Biographen, die Wissenschaft dem Phänomen Cayce stets ausgewichen, von seltenen Ausnahmen abgesehen. Eine davon war Dr. Münsterberg, ein Harvard-Professor, der Cayce aufsuchte, um ihn zu entlarven – und ihn als ein überzeugter Anhänger verließ.

Eines Tages kam ein Mann namens Arthur Lammers zu Cayce, ein wohlhabender Drucker aus Ohio. Er kam nicht wegen seiner Gesundheit, sondern war auf den Gedanken gekommen, Cayce könnte ihm vielleicht Auskunft geben in Fragen der Philosophie, der Metaphysik und der Astrologie, die ihn sehr beschäftigten, ja bedrängten, wobei er wie Faust darunter litt, „dass wir nichts wissen können“. Cayce verstand von allen diesen Dingen nicht das Geringste, ja er hatte solche Ideen immer für frevlerisch gehalten, weil ja Gott in der Bibel offenbart war. Die Annahme, dass er in Trance Fragen nach den Geheimnissen des Universums beantworten könnte, erschien ihm wie eine offene Einladung an Satan, durch ihn zu sprechen. Doch als Lammers ihm seine Fragen vorlegte, war dieses Gefühl verschwunden. Da war etwas in ihm, das sagte: „Ja, das ist der Weg, die Antwort zu finden!“ Und so ließ er sich auf die Wünsche Lammers‘ ein. Beinahe am Schluss der ersten Sitzung kam der merkwürdige Satz: „Er war einst ein Mönch.“ Für Lammers, der durch ausgedehnte Studien mit den Haupttheorien der esoterischen Wissenschaften vertraut war, handelte es sich um eine geradezu elektrisierende Aussage. Konnte sie bedeuten, dass Cayce im Trancezustand die alte Theorie der Reinkarnation als Tatsache erkannte?

Dies war die erste von 2500 „Lebensbotschaften“, die Cayce im Laufe der nächsten zwanzig Jahre gab und die alle mindestens ein früheres Leben der jeweiligen Person betrafen. Cayce war den Kundgaben gegenüber zunächst sehr skeptisch, und nur zögernd räumte er die Möglichkeit ein, sie könnten wahr sein. Von kritischer wissenschaftlicher Neugier getrieben, begann er dann, die Botschaften sorgsam auf ihren Wert hin zu überprüfen. Er stellte zunächst fest, dass sie keine inneren Widersprüche aufwiesen. Niemals widersprachen die Kundgaben einander, die für denselben Menschen gegeben worden waren, selbst wenn eine lange Zeit zwischen ihrer Entstehung lag. Auch Botschaften für verschiedene Menschen, die früher einmal zur selben Zeit inkarniert waren, widersprachen einander hinsichtlich der äußeren Umstände nicht. Zudem bestätigten sie in vielen Fällen die Überlieferungen der Geschichte. Auch hier möchte ich mich mit einigen wenigen Beispielen begnügen:

Eine der Kundgaben nahm Bezug auf einen Mann namens Jean Poquelin oder Moliere, dessen Mutter starb, als der Knabe noch sehr jung war. Der Name des großen französischen Dramatikers war Cayce unbekannt, erst recht, dass Moliere ein Pseudonym für Poquelin war. Der frühe Tod der Mutter erwies sich als Tatsache.

Einem jungen Mann wurde in einer Botschaft gesagt, er habe in einem früheren Leben in Frankreich gelebt und sei dort Freund und Helfer des Erfinders Robert Fulton (1765–1815, Erbauer des ersten Dampfschiffs) gewesen. Cayce wusste, wer Fulton war, aber er zweifelte, ob dieser jemals außerhalb der Vereinigten Staaten geweilt habe. Er zog eine Biographie zu Rate und fand, dass Fulton tatsächlich einige Jahre in Frankreich verbracht hat, wo er viele wesensverwandte Menschen getroffen hat, die Einfluss auf seine Laufbahn genommen haben.

Die Lebensbotschaften gaben gewöhnlich den genauen Namen an, unter dem das Individuum in dem früheren Leben geboren worden war; in einigen Fällen wurden die Empfänger solcher Botschaften darauf hingewiesen, dass es auffindbare Zeugnisse ihrer früheren Existenz gebe. So wurde einem Mann gesagt, dass er in seinem Vorleben Barnett Seay geheißen und als Soldat im amerikanischen Bürgerkrieg für die Südpartei gekämpft habe. Er habe in Henrico County, Virginia, gelebt und dort könne er nach Hinweise auf seine frühere Existenz finden. Der Mann reiste bei Gelegenheit dorthin und erfuhr von dem Gerichtsschreiber, dass viele alte Akten kürzlich in die Dokumentenabteilung der Geschichtsbibliothek des Staates Virginia verlagert worden seien. Dort fand er schließlich Aufzeichnungen über Barnett A. Seay, der im Jahr 1862 einundzwanzigjährig als Fahnenträger in die Armee des Generals Lee aufgenommen worden war.

In vielen Fällen enthielten die Lebensbotschaften Hinweise auf drei, vier oder mehr Inkarnationen in großen Abständen, von denen die früheste oft mehrere Jahrtausende zurücklag.

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Woher aber kommen diese Enthüllungen? Cayce wurde in Trance mehrfach dazu befragt. Die Antworten lauteten, dass Cayce zwei Quellen des Wissens zugänglich seien, während er sich im Trancezustand befinde:

Die eine Quelle sei das Unbewusste (unconsciousness) eines jeden Individuums, dessen Lebensgeschichte zu verkünden er gebeten wurde. Das Unbewusste, so erklärten die Botschaften, bewahre die Erinnerung an jede Erfahrung auf, die das Individuum gemacht habe, und zwar nicht nur vom Zeitpunkt der Geburt an, sondern auch alle vorgeburtlichen Erfahrungen mit einschließend. Das Unbewusste sei für das Unbewusste einer anderen Person viel leichter zugänglich als das Bewusstsein. Im Trancezustand kannte sich Cayce also mit den unbewussten Schichten anderer Personen in Verbindung setzen.

Die zweite Quelle dagegen ist ganz anderer Art und wurde von den Botschaften „Akasha-Chronik“ genannt. Die Erklärung der Botschaften dazu war, kurzgefasst, folgende: Akasha ist ein Sanskrit-Wort und der Name für eine ätherische Substanz im Universum, in die sich unauslöschlich jeder Vorgang und jeder Gedanke einprägt. Diese „Aufzeichnungen“ sind die „Akasha-Chronik“. Ihre Existenz begründet die Fähigkeit der Hellseher und Visionäre, buchstäblich in die Vergangenheit zu sehen. Von all den merkwürdigen Feststellungen und Aussagen Cayces schienen ihm diese Enthüllungen am seltsamsten. Doch auf seine wiederholten ungläubigen Nachfragen wurden ihm immer die gleichen Botschaften zuteil; manchmal in den gleichen Worten, manchmal ausführlicher. Immer wieder verkündeten die Botschaften, dass die „Akasha-Chronik“ auch das „Universelle Gedächtnis der Natur“ oder das „Buch des Lebens“ genannt werden könne. Trotz der Hartnäckigkeit dieser Botschaften konnte Cayce nur langsam dazu gebracht werden, die Existenz des Akashas anzuerkennen.

Zu diesem für uns naturwissenschaftlich geprägten Menschen unerhörten und unglaublichen Phänomen möchte ich zwei Anmerkungen machen: Akasha ist nicht lediglich ein Sanskrit-Wort; der Begriff und das Wesen des Akashas und der Akasha-Chronik sind der hinduistischen Philosophie seit Jahrtausenden vertraut. Und das Forschungsobjekt Rupert Sheldrakes, das er das „Morphogenetische Feld“ der Erde genannt und worüber er in zwei Büchern berichtet hat, (Das schöpferische Universum, Goldmann; Das Gedächtnis der Natur, Scherz) ist identisch mit einem Teil dieser Akasha-Chronik. Interessant ist auch, dass in einigen (wenigen) Hochschulinstituten seit etlichen Jahren versucht wird, das unerhörte Ärgernis des morphogenetischen Feldes durch Widerlegung Sheldrakes zu beseitigen, dass aber alle diese Versuche ganz im Gegenteil zu weiteren Bestätigungen geführt haben. Darüber wird gelegentlich auch in seriösen Zeitschriften (z. B. der ZEIT) berichtet, aber in Anbetracht der Bedeutung des Phänomens doch viel zu selten, sodass der Gesamteindruck bestehen bleibt, das morphogenetische Feld werde mehr ignoriert als beachtet oder gar erforscht. Betrachtet man dagegen beispielsweise den materiellen und geistigen Einsatz bei der Erforschung der „Elementarteilchen“, der so groß ist, dass er die Leistungsfähigkeit einer einzelnen Nation überfordert und daher von den westeuropäischen Staaten gemeinsam erbracht werden muss, und schaut sich dann noch die mageren Ergebnisse des gigantischen Aufwands an und deren eklatanten Mangel an theoretischer wie auch praktischer Bedeutung, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier wieder einmal an den wirklich brennenden Problemen vorbeigeforscht wird, ja dass sie absichtlich umgangen werden…

Literatur:

HINWEIS: Dieser Text liegt bei mir schon seit über 10 Jahren auf der Festplatte und stammt nicht aus meiner Feder (hier aber tlw. und gesplittert einsehbar), der Autor ist mir leider unbekannt – er wurde 1:1 wiedergegeben und ist gemeinfrei.