Das "Hochspannungssyndrom" – elektrifizierte Menschen unter Strom

“Elektrifizierte Menschen” – gibt es das wirklich; was hat es damit auf sich? Nun, es gibt tatsächlich Menschen, die bereits durch ihre bloße Anwesenheit Fehlfunktionen oder gar Defekte in elektrischen Geräten auszulösen scheinen! Einige von ihnen leiden unter dem sogenannten Hochspannungssyndrom – und oft haben sie in ihrer Kindheit einen starken Stromschlag erlitten. Viele der Fälle zeichnen sich außerdem durch paranormale Aspekte aus; ihre mit traditioneller Physik nicht erklärlichen Fähigkeiten scheinen auf Psychokinese hinzudeuten. Ein äußerst rätselhaftes, bisher nicht wissenschaftlich erklärbares Phänomen grenzwissenschaftlicher Natur.

Folgend ein aus dem Englischen übersetzter, recht umfangreich gewordener Artikel zu dieser hochspannenden Thematik von Louis Proud (s.u.). Die mitunter anzutreffenden Zahlen am Ende eines Satzes oder Abschnitt entsprechen der jeweiligen Fußnote als Quellenbeleg und sind als Endnote zum Schluss des Textes angehängt.

Magisches Denken oder physiologische Anomalie?

Ich weiß nicht mehr, wie viele Emails ich im Laufe der Jahre von Menschen erhalten habe, die behaupten, die verschiedensten elektrischen Geräte auf sonderbare – wenn nicht paranormale – Art und Weise zu beeinflussen. Die Männer und Frauen, die mich diesbezüglich kontaktieren, unterscheiden sich stark hinsichtlich Alter, Nationalität sowie Berufsstand; der Großteil wirkt geistig völlig gesund und aufrichtig. Viele der Emails lesen sich in etwa so:

„Haushaltsgeräte gehen immer wieder kaputt und Computer stürzen andauernd ab, wenn ich sie benütze. Trage ich eine Armbanduhr, funktioniert sie innerhalb kurzer Zeit nicht mehr richtig. Manchmal gehen Straßenlaternen aus, wenn ich an ihnen vorbeigehe. Meist geschieht so etwas, wenn  ich gestresst, verärgert oder aufgeregt bin. Mir ist außerdem aufgefallen, dass mein Körper viel statische Elektrizität aufnimmt, die sich in häufigen ‚Schlägen’ äußert. Ich habe mich schon oft gefragt, ob meine ungewöhnliche Beziehung zu allen elektrischen Dingen mit der Tatsache zusammenhängt, dass ich als Kind einen starken Stromschlag erlitten habe.“

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Von solchen Lebensumständen betroffene Individuen sind heute als „elektrische Menschen“ bekannt bzw. als Personen, die unter dem sogenannten Hochspannungssyndrom (HSS) leiden – es ist aber derart selten anzutreffen bzw, unpopulär, dass es nicht einmal einen Wikipediaeintrag zu diesem Rätsel gibt! Manchmal, wenn das Phänomen ausschließlich oder primär in Verbindung mit Straßenlaternen auftritt, sind die Begriffe „streetlight interference“ – Straßenlaternen-Interferenz (SLI) – oder SLIder“ (für die betroffenen Personen) gebräuchlich.

Wie bei allen unerklärlichen Phänomenen gehen auch die Meinungen zur Existenz des HSS stark auseinander. Unter den von Skeptikern angeführten Erklärungen finden sich Zufall, magisches Denken und voreingenommene Beobachter. Die meisten der behaupteten HSS-Fälle haben zweifellos eine alltägliche Ursache – doch können wir deshalb schlussfolgern, dass das für alle derartigen Behauptungen zutrifft? Beim Versuch, eine Antwort auf diese Frage zu finden, sollten wir zunächst einige solcher Fälle betrachten. Beginnen wir mit jenem von Mavis Price.

Fehlfunktionen an Elektrogeräten

In einer Ausgabe der Daily Mail aus dem Jahr 2008 wurde die damals 60-jährige Mavis Price als „die aufgeladene Großmutter, deren Berührung Wasserkocher sprengt“, beschrieben.1 Die pensionierte Sozialarbeiterin aus Telford im englischen Shropshire behauptet, dass ihr Körper „anscheinend eine ungewöhnliche Menge an statischer [Elektrizität] aufbaut“.2  Aus diesem Grund neigten Elektrogeräte und Apparate jeglicher Art -Wasserkocher, Bügeleisen, Staubsauger, Drucker und Computer – zu Fehlfunktionen, wenn sie diese berühre oder in ihrer Nähe sei. Darüber hinaus sagt sie, dass Fernseher gewöhnlich „knistern“, wenn sie an ihnen vorbeigehe. Menschen, die sie berührten – oder ihr bloß zu nahe kämen würden sich die Haare sträuben oder einen starken elektrostatischen Schlag erhalten.

Price sagt, sie habe Phasen, in denen ihr zerstörerischer Einfluss auf elektrische Geräte besonders heftig sei:

»Letzte Woche hatte ich einen wirklich schlechten Tag; ich stand auf, machte das Licht an und brachte es irgendwie zustande, dass die Sicherung durchbrannte. Danach ging ich in den Supermarkt und ruinierte die Kasse. Sie mussten die Kasse schließen und sagten nichts, als ob das völlig alltäglich wäre. Als ich dachte, es könnte nicht mehr schlimmer werden, ging ich einige Fotos ausdrucken und schaffte es, die ganze Maschine völlig lahmzulegen.“3

Bezeichnenderweise kann Price den Beginn ihrer eigenartigen Beziehung zu elektrischen Geräten zu einem Vorfall in ihrer Kindheit zurückverfolgen: Sie erlitt einen heftigen Stromschlag, als sie versuchte, einen Fernseher anzuschließen.

Lässt sich der ungewöhnliche Einfluss, den Price auf elektrische Geräte ausübt, allein durch Elektrostatik erklären? Wenn ausreichend isoliert, kann die Oberfläche des menschlichen Körpers problemlos 25.000 Volt statischer Aufladung akkumulieren. Zu den Bedingungen, die den Aufbau von elektrostatischen Feldern im Körper begünstigen, zählen kaltes, trockenes Wetter sowie das Tragen von Schuhen mit dicken Sohlen. Eine alltägliche Situation, bei der man eine elektrostatische Entladung bzw. einen elektrostatischen Schlag zu spüren bekommen kann, ist der Griff an eine metallische Türklinke, nachdem man über einen Teppichboden gegangen ist.

Zwar klingt es, als könne eine elektrostatische Entladung von 25.000 Volt zum Tod führen, doch muss man bedenken, dass die damit verbundene Stromstärke im Mikroampere-Bereich liegt. Das erklärt, warum elektrostatische Entladungen des menschlichen Körpers – wenngleich manchmal schmerzvoll – keineswegs gefährlich sind und gewiss niemals tödlich enden; die Stromstärke müsste viel höher sein, um eine Gefahr darzustellen.

Computertechniker wissen nur zu gut, dass selbst sehr geringe elektrostatische Entladungen irreparable Schäden an empfindlichen elektronischen Komponenten verursachen können. Sie achten daher bei der Reparatur von Hardware darauf, antistatische Armbänder zu tragen und andere antistatische Vorrichtungen zu verwenden.

Um einen elektrischen Wasserkocher (oder andere widerstandsfähige elektrische Geräte) auf die gleiche Art zu zerstören, wäre eine wesentlich stärkere elektrostatische Entladung nötig – dazu bedarf es eines Stromschlags, den der menschliche Körper vermutlich nicht auf natürliche Weise erzeugen kann. Folglich verfügen elektrische Menschen vielleicht nicht deshalb über einen Überfluss an statischer Elektrizität, weil ihr Körper diese aufnimmt, sondern weil er sie vielmehr innerlich generiert.

Experimente mit elektrisierten Häftlingen

Bevor Sie diese Möglichkeit als absurd abtun, lassen Sie uns einen Blick auf einen der berühmtesten HSS-Fälle in der Geschichte der Erforschung unerklärlicher Phänomene werfen:

elektrifizierte menschen

Original Zeitungsartikel

Am 20. Februar 1920 zogen sich 34 Sträflinge des Clinton-Gefängnisses in Dannemora im US-Bundes-staat New York eine Lebensmittelvergiftung durch den Verzehr von verdorbenem Dosenlachs zu. Allerdings verlief die Erkrankung untypisch, denn in allen der 34 betroffenen Sträflinge baute sich eine „sonderbare elektrostatische Energie“ auf, wie in der Zeitschrift „Electrical Experimenter“ detailliert beschrieben wurde«.

Das obige Zitat stammt von Dr. Julius B. Ransom, dem damaligen Chefarzt des Clinton-Gefängnisses. Er führt weiter aus, dass sich das merkwürdige Phänomen erstmals zeigte, als einer der Patienten ein Stück Papier zusammenknüllte, um es anschließend in den Papierkorb zu werfen – er musste feststellen, dass sich das Papier „partout weigerte, seine Hand zu verlassen“.5

Ab diesem Zeitpunkt führten Dr. Ransom und seine Mitarbeiter eine Reihe von Experimenten an den Patienten durch. Bei einem der Experimente rieb ein Patient sei] Hände und berührte dann ein Blatt Papier, das sich dadurch stark elektrostatisch auflud. Dr. Ransom behauptet, dass die aufgeladenen Blätter Papier „für viele Stunden“ an einer Wand (oder Oberfläche) hafteten, wenn man sie dort platzierte. Des Weiteren brachte ein aufgeladenes Stück Papier eine Kompassnadel zum Rotieren, wenn sich beide Objekte nebeneinander befanden.

In einem anderen Experiment ließ man ein stählernes Maßband von der Decke hängen. Nachdem ein Patient seine Hände aneinander gerieben hatte (vermutlich, um sie elektrostatisch aufzuladen), konnte er das Maßband durch die Anziehungskraft seiner Hände dazu bringen, zwischen ihnen hin- und herzuschwingen. Dr. Ransom hält fest, dass die Patienten ihre elektrisierenden Eigenschaften langsam wieder verloren, während sie sich von ihrer Vergiftung erholten.

Eine Lebensmittelvergiftung – die meist durch den Verzehr unzureichend sterilisierter Dosennahrung hervorgerufen wird, die das Botulinumtoxin enthält -geht meist mit trockener Haut einher. In Anbetracht der Tatsache, dass trockene Bedingungen statische Elektrizität begünstigen, könnte das die „elektrisierenden“ Eigenschaften der Patienten des Clinton-Gefängnisses erklären. Man muss zudem bedenken, dass sich der Vorfall im Wintermonat Februar ereignete und kaltes Wetter elektrostatische Aufladung unterstützt.

Haben wir das Rätsel damit gelöst? Nicht unbedingt, denn ein bestimmter Aspekt des Falls ist äußerst schwer zu erklären: Dr. Ransom hebt hervor, dass die Patienten die verblüffenden Kunststücke nicht nur in komplett trockener Kleidung, sondern auch in einer Wanne voll Wasser vollbringen konnten. Hätte es sich um profane elektrostatische Aufladung des Körpers gehandelt, wären die Patienten durch das umgebende Wasser entladen worden. Da sie elektrostatisch aufgeladen blieben, deutet alles darauf hin, dass die Elektrizität innerlich erzeugt wurde.

Geht man davon aus, dass der Fall authentisch ist und es sich um keinen aufwändig inszenierten Schwindel handelt, lässt sich die These aufstellen, dass eine Lebensmittelvergiftung in seltenen Fällen HSS auslösen kann – oder wenn nicht HSS an sich, dann eines der Symptome von HSS: die innerkörperliche Erzeugung großer Mengen statischer Elektrizität. Allermindestens deutet es auf eine enge Verbindung zwischen HSS und einer Erkrankung.

Übertragung von Stromschlägen und magnetische Fähigkeiten

Diese Verbindung kann am Fall von Caroline Cläre aus-London im kanadischen Ontario veranschaulicht werden, der sich im Jahr 1879 ereignet haben soll: Offenbar fing sich Caroline im Alter von 17 Jahren eine seltsame Krankheit ein, die sich der medizinischen Diagnose entzog. Ihr Appetit schwand und sie verlor rapide an Gewicht, schließlich verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand bis hin zur Bettlägerigkeit.

Binnen Kurzem begann Caroline in mediale Trancen zu fallen, während derer sie „eloquente Reden hielt und weit entfernte Szenen lebhaft beschrieb“.7

Als Caroline keine Trancezustände mehr erlebte, begann sich auch ihr Gesundheitszustand zu verbessern, und schon bald war sie wieder gesund und munter. Allerdings hatte sich etwas an ihrem Körper verändert: Im Artikel wird sie als „eine mustergültige Batterie“ beschrieben, die „unentwegt elektrische Entladungen abgibt“.8

Schüttelte ihr jemand die Hand oder tauchte die eigene Hand gemeinsam mit ihrer in einen Eimer voll Wasser, erhielt die Person einen heftigen Stromschlag. Caroline konnte sogar einen stechenden Stromschlag durch 15 bis 20 Personen jagen, die sich an den Händen hielten. Zudem blieb offenbar jedes von ihr berührte Objekt für eine sehr lange Zeit elektrostatisch aufgeladen; fasste danach jemand anderes ein solches Objekt an, bekam diese Person ebenfalls einen schmerzhaften Stromschlag ab.

Es heißt auch, dass Caroline über magnetische Fähigkeiten verfügte: Ihr Körper soll eine starke Anziehung auf Metallobjekte ausgeübt haben, während Holzlöffel und andere nichtmetallische Objekte unbeeinflusst blieben. Sie habe Nadeln von ihren Fingerspitzen baumeln lassen können und Messer seien direkt in ihre Hand gesprungen, wenn sie diese aufnehmen wollte. Wie lange Caroline diese Fähigkeiten besaß – ausgehend von der Annahme, dass diese langsam schwächer wurden, bevor sie völlig verschwanden – ist allerdings nicht bekannt.

Zwischen dem Fall von Caroline Cläre und jenen, die sich im Clinton-Gefängnis ereigneten, gibt es einige verblüffende Ähnlichkeiten: So wurden die von den elektrischen Personen berührten Objekte etwa enorm stark und langanhaltend elektrostatisch aufgeladen und hafteten aufgrund ihrer elektrostatischen Ladung über sehr lange Zeiträume an Händen, Wänden und dergleichen mehr. Fine statische Haftung von derartiger Stärke und Dauer ist außergewöhnlich, wenn nicht beispiellos.

Außergewöhnlich ist auch die Anziehung von Metallen, die als ausgezeichnete Leiter keine elektrostatische Ladung speichern können. Nur Isolatoren – zum Beispiel Papier oder Plastik – können elektrostatisch aufgeladen werden. (Metallobjekte können elektrostatische Ladungen nur speichern, wenn sie völlig von ihrer Umgebung isoliert sind.) Warum zog Carolines Körper also metallische Objekte an, nichtmetallische jedoch nicht?

Zusammenfassend deuten bestimmte Aspekte des HSS auf elektrostatische Phänomene hin, während andere Aspekte nicht so einfach innerhalb des Bereichs der konventionellen Physik einzuordnen sind. Aus diesem Grund legen manche nahe, dass Psychokinese eine Rolle beim Hochspannungssyndrom spielen könnte.

Statische Elektrizität und Psychokinese

Der Fall von Jacqueline Priestman aus Stockport in der englischen Grafschaft Greater Manchester deutet auf eine mögliche Beteiligung von Psychokinese beim HSS hin. In einem 1985 veröffentlichten Artikel wird Jacqueline als „Hausfrau, die jedes elektrische Gerät verhexte, das sie berührte“ beschrieben.9

Jacqueline wurde auf höchst kuriose Weise zu einer elektrischen Person. Im Alter von 22 Jahren – während sie sich um ihre 18 Monate alte Tochter kümmerte und mit ihrem zweiten Kind schwanger war – hatte sie einen großen Streit mit ihrem ersten Ehemann Ron, der sich daraufhin auf seinem Motorroller davonmachte. Als er davonfuhr, schrie Jacqueline ihm noch hinterher, dass sie „hoffe, er breche sich sein Genick“.10

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Noch am selben Tag ging Jacquelines im Affekt geäußerter „Wunsch“ in Erfüllung: Ron verunglückte mit seinem Motorroller schwer und brach sich dabei Wirbelsäule und Genick. Im Krankenhaus scherzte Ron gegenüber seiner schuldbeladenen Frau, dass er zurückkommen würde, um sie heimzusuchen, falls er sterben müsse. Einen Monat nach dem Unfall erlag Ron seinen Verletzungen.

Kurz nach Rons Tod nahm Jacqueline ein Bad, als plötzlich die Glühbirne über ihr platzte und sie sich durch die herabregnenden Glasscherben eine Schnittwunde am Arm zuzog. Sie schrieb den Zwischenfall einer defekten Birne zu und dachte nicht weiter darüber nach. Später platzte eine weitere Glühbirne genau in jenem Moment, als Jacqueline an dem Schrank vorbeiging, in dem Ron seine Motorrad-Lederkombi aufbewahrt hatte.

Zu dieser Zeit gingen Plattenspieler, Wasserkocher, Bügeleisen, Staubsauger, Waschmaschinen, Trockner und andere Haushaltsgeräte bzw. Apparate kaputt oder begannen ohne ersichtlichen Grund „verrücktzuspielen“.11

Das Radio stellte einen anderen Sender ein, ohne von jemandem berührt zu werden und der Fernseher „wechselte den Kanal oder zeigte ohne Vorwarnung Doppelbilder“.12 Jacqueline war durch die elektrischen Störungen verängstigt und schließlich davon überzeugt, dass Rons Geist tatsächlich zurückgekehrt war, um sie heimzusuchen.

Eine der seltsamsten Begebenheiten, die Jacqueline erlebte, ereignete sich in der Nacht der Taufe ihrer beiden Töchter. Jacqueline wollte ihre Töchter am gleichen Tag taufen lassen, hatte allerdings Angst davor; Ron war kein Kirchgänger gewesen und sie wusste, dass er den Schritt nicht befürwortet hätte. In dieser Nacht, so Jacqueline, gingen zwei geschliffene Glaskelche plötzlich und unerklärlich zu Bruch. Beide Kelche waren jeweils mit dem Namen einer ihrer Töchter versehen und befanden sich bei dem Vorfall auf einem Fensterbrett.

Auch in ihrer zweiten Ehe mit Paul kam es zu elektrischen Störungen. Zusätzlich zu den „ständigen [elektrostatischen] Schlägen“ hatte Jacqueline oft Kopfschmerzen, fiel häufig in Ohnmacht und litt unter Blähungen und Verstopfung.13 Irgendwann erlitt sie einen Nervenzusammenbruch und wollte Selbstmord begehen.

Aufgrund seines beruflichen Wissens als Elektromonteur erkannte Paul, dass nur Jacqueline für die Störungen verantwortlich sein könnte – wenn auch ungewollt. Er folgerte daraus, das Problem rühre von einer großen Ansammlung statischer Elektrizität in ihrem Körper her. Paul bemerkte außerdem, dass das Problem besonders ernst wurde, wenn Jacqueline ihre Periode hatte, sich gestresst fühlte oder verärgert war.

Als Jacqueline dem Rat ihres Ehemanns folgte und mehr frische Früchte, Gemüse und reichlich gegarte Zwiebeln aß, war ihr Leiden offenbar mehr oder weniger geheilt. Paul hatte Recht damit, dass statische Elektrizität eine Rolle bei den Störungen gespielt hatte. Dennoch waren bestimmte Aspekte des Phänomens damit nicht erklärt. Es ist nämlich schwierig, wenn nicht unmöglich zu erklären, wie statische Elektrizität bzw. eine elektrostatisch aufgeladene Person Glühbirnen zum Platzen bringen kann; insbesondere, wenn sie diese nicht berührt. Außerdem ereignete sich der erste der beiden Vorfälle, während Jacqueline ein Bad nahm, was bedeutet, dass sie nicht elektrostatisch aufgeladen sein konnte.

Und was ist mit den zerbrochenen Glaskelchen? Gehen wir davon aus, dass sieh Jacqueline zur Zeit des Zwischenfalls noch immer für Rons Tod verantwortlich fühlte, lässt sich annehmen, dass die Teilnahme an der Taufzeremonie ihr Gewissen zusätzlich belastete. Das könnte bedeuten, dass sie selbst – wenn auch unbewusst – die Kelche mittels Psychokinese zu Bruch gehen ließ.

Verfolgen wir diesen Gedanken weiter, sollten wir auch Pauls Beobachtung berücksichtigen: Die elektrischen Störungen wurden schlimmer, wenn Jacqueline ihre Periode hatte, sich gestresst fühlte oder verärgert war. Und vergessen wir nicht, dass die Störungen erstmals auftraten, als Jacqueline die emotionalen Auswirkungen von Rons Tod zu verarbeiten hatte – dieses Trauma war der Auslöser, der sie zu einer elektrischen Person werden ließ.

Psychokinese bezeichnet die mutmaßliche Fähigkeit, Objekte allein durch Gedankenkraft zu beeinflussen. Ziehen wir diese Einflussnahme als eine ernstzunehmende Möglichkeit im Priestman-Fall in Erwägung, müssen wir zwischen bewusster bzw. kontrollierter Psychokinese und wiederkehrender spontaner Psychokinese (WSPK) [engl.: „recurrent spontaneous psychokinesis“; RSPK] unterscheiden. Die erste Form ist selbsterklärend; die zweite – als Begriff, der durch den 2012 verstorbenen William G. Roll geprägt wurde – steht vor allem in Verbindung mit Poltergeistphänomenen und bezieht sich auf den unbewussten Einsatz psychokinetischer Fähigkeiten.

Entgegen der Theorie, dass Poltergeistaktivitäten durch Geister verursacht werden, betrachten die meisten Experten solche Vorfälle als WSPK-Phänomene. Das heißt, sie glauben, dass das Unterbewusstsein eines sogenannten Poltergeist-Handlungsträgers verantwortlich ist – also jener Person, um die herum es zu den Aktivitäten kommt.

Wie wir im Fall von Priestman (und anderen) gesehen haben, scheint es bei elektrischen Menschen die Regel zu sein, dass sie keine Kontrolle über ihre Fähigkeiten haben. Die Aktivitäten treten in unerwarteten Momenten und als Ausdruck ihrer Stimmungslage bzw. ihres Bewusstseinszustands auf. Folglich wäre es wohl akkurater, die Aktivitäten der WSPK statt einer bewussten Psychokinese zuzuschreiben.

Je eingehender man sich mit Poltergeistspuk und Fällen von HSS befasst, desto offensichtlicher wird es, dass die beiden Phänomene eng miteinander verwandt sind.

Poltergeistaktivitäten

Beim Phänomen der elektrischen Menschen ist kein bestimmtes Muster hinsichtlich Alter, Geschlecht und Psyche der Betroffenen zu erkennen. Hinlänglich bekannt ist unterdessen, dass das Poltergeistphänomen dazu tendiert, sich rund um unterdrückte, aufgewühlte junge Frauen in der Pubertät zu manifestieren. In einem Poltergeistfall, der in der Nacht des 4. Aprils 1983 seinen Anfang nahm, war ein 13-jähriges Mädchen die Handlungsträgerin. Ihr Name war Joasia Gajewski und sie lebte gemeinsam mit ihren Eltern in einer engen Wohnung in der Bergbaustadt Sosnowiec im südlichen Polen.14

Das Phänomen zeigte sich – typisch für sogenannte Poltergeister – heftig und zerstörerisch: Fenster klapperten, Möbel rüttelten, Gegenstände wie Teller und Glaswaren flogen quer durch den Raum und zerschellten mitunter an den Wänden. Zu jener Zeit befand sich Joasia in einem kaum als stabil zu bezeichnenden Seelenzustand: Sie war mitten in der Pubertät und traumatisiert durch den kürzlichen Tod ihrer Großmutter, die ihr sehr nahegestanden hatte.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass Joasia etwa zeitgleich mit dem Ausbruch des Poltergeistphänomens erkrankte und an Symptomen wie Kopfschmerzen und Fieber litt.

Interessanterweise bemerkten Freunde und Familie, dass sich ihr Körper in den Wochen vor dem 4. April stark elektrostatisch aufgeladen hatte. Sie berichteten sogar, dass sie „geknistert“ und Geräusche von sich gegeben habe, die jenen schnippender Finger geähnelt haben sollen. Später, nachdem das Interesse polnischer Wissenschaftler geweckt war – darunter der Mediziner Dr. Eustachiusz Gadula -, unterzog man Joasia einer Reihe intensiver medizinischer und psychologischer Tests.

Die Untersuchungen ergaben einige Besonderheiten im Allgemeinzustand des Teenagers; unter anderem, dass ihr Körper tatsächlich stark elektrostatisch aufgeladen war. Es heißt, dass ihr Körper selbst dann stark geladen blieb, nachdem man ihn geerdet hatte. Zudem zeigten thermografische Untersuchungen, dass sich Joasias Körpertemperatur ungewöhnlich stark und rasch veränderte. Auch hatte sie abnorme thermische Flecken (Wärmestellen) an ihrem Kopf, ihren Zehen, ihren Fingern sowie etwas oberhalb ihres Solarplexus.

Während Dr. Gadula und sein Team Joasia untersuchten, wurden sie Zeugen einiger bemerkenswerter Vorfälle, bei denen offensichtlich kontrollierte Psychokinese und WSPK im Spiel waren. Bei einer Gelegenheit beobachteten die Anwesenden staunend, wie sich ein Lehnstuhl mitsamt Joasia in Bewegung setzte. Das Mädchen saß dabei im Schneidersitz, berührte den Boden also nicht mit ihren Füßen. Der Lehnstuhl bewegt« sich sogar noch, als Joasia nicht mehr darauf saß. Einmal erhob sich der Lehnstuhl vom Boden und begann sich schnell zu drehen – drei Männer versuchten ihn am Boden zu halten und scheiterten.

Anscheinend konnte Joasia Metallbesteck durch Psychokinese verbiegen – in ähnlicher Weise wie der berühmte israelischstämmige Hellseher Uri Geller. Obwohl die Untersuchenden Joasia beim Verbiegen zahlreicher Besteckteile beobachteten, gelang es ihnen nicht, das Phänomen auf Film zu bannen; Joasia konnte ihre Fähigkeit nicht einsetzen, wenn eine Kamera lief. Geht man davon aus, dass es sich um ein authentisches Phänomen handelte und nicht um einen Trick, untermauert das eine Theorie: Ein Handlungsträger kann sich die mächtigen Energien, die bei Poltergeistaktivitäten am Werk sind, bis zu einem gewissen Grad nutzbar machen und konstruktiver einsetzen, als nur sinnlos Wohnungen zu zerstören.

Angeblich hielten sowohl die Poltergeistaktivitäten um Joasia als auch ihre Fähigkeit, Metall zu verbiegen, mindestens bis zu ihrem 20. Lebensjahr an. Das macht ihre Geschichte zu einem der am längsten andauernden Poltergeistfälle aller Zeiten.

Ein reales oder ein eingebildetes Phänomen?

Konnten wir dem Rätsel der elektrischen Menschen auf die Schliche kommen? Wenn man die Behauptungen elektrischer Menschen beurteilen will – darunter jene, die in diesem Artikel behandelt wurden -, kommen nur zwei Möglichkeiten in Betracht: Entweder ist das HSS ein reales Phänomen oder ein Produkt kollektiver Einbildung, das jeglicher Grundlage entbehrt. Gewisse physiologische Merkmale, die mit dem HSS in Zusammenhang stehen, untermauern die erste Möglichkeit – so ist die Verknüpfung mit bestimmten Krankheitsbildern schwer zu ignorieren.

Wie wir außerdem gesehen haben, führen viele der mutmaßlich an HSS leidenden Menschen ihren Zustand entweder auf einen starken Stromschlag oder einen intensiven psychologischen Schock zurück. Der menschliche Körper ist im Wesentlichen elektrischer Natur – könnte es also sein, dass derartige „Schocks“ den elektrischen Haushalt des Körpers durcheinanderbringen und dadurch das Hochspannungssyndrom auslösen?

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Quellen und Endnoten

Zuvorderst sei der Originalartikel im Nexus Magazin erwähnt! Die Endnoten:

1             Wilkes, David: „Meet Mavis, The Super-Charged Grand-mother Whose Touch BLOWS UP Kettles“ auf Mail Online, 22.02.2008; http://tinyurl.c0m/kabp9cv

2             Ebd.

3             Ebd.

4             Gernsback, H. (Hrsg.); Secor, H. W. (Mithrsg): „Poisoned Convicts Become,Electrified4!“ in TheElectricalExperimenten Juni 1920, via HathiTrust Digital Library, S. 185; http://tinyurl.com/ma9mw3k

5             Ebd.

6             Ebd.

7             Colombo, John Robert: „Ghost Stories of Ontario“ (Toronto, CA: Hounslow Press, 1995), S. 36 ff.,- Erstveröffentlichung als: „A Human Electric Battery“ in The St. John Daily Sun (New Brunswick, CA), 23.06.1879

8             Ebd.

9             Spicer, Bill: „Power-Full Curse“ in New Straits Times, 08.06.1985, S. 6, via Google news; http://tinyurl.com/qdvreof

10           Ebd.

11           Ebd.

12           Ebd.

13           Ebd.

14           Broughton, Richard S.: „Parapsychology: The Controversial Science“ (New York, NY: Random House. 1991), S. 223 ff.

Über den Autor

Louis Proud ist ein Autor und Rechercheur, der sich auf unerklärliche Phänomene spezialisiert hat. Seine Artikel sind in den Magazinen New Daum, Paranormal und Fate erschienen; zudem gab er Interviews für Sendungon wie „Veritas Radio“, „Paranormal Realms“ und Whitley Striebers „Dreamland“. Proud verfasste die Bücher „Dark lntrusions: An Investigation into the Paranormal Nature of Sleep Paralysis Experiences“ (San Antonio, TX: Anomalist Books, 2009)» „The Secret Influence of the Moon: Alien Origins and Occult Powers“ (Rochester, VT: Destiny Books, 2013) sowie „Strange Electromagnetic Dimensions: The Science of the Unexplainable“ (Wayne, NJ: New Page Books, 2015). Louis Proud lebt im australischen Burnie, von wo er auch seinen Blog www.louisproud.net betreibt.

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Ein Gedanke zu „Das "Hochspannungssyndrom" – elektrifizierte Menschen unter Strom

  1. Anna Anuka

    Toller Artikel Danke. Ich kam auf diese Seite, da ich seit Jahren immer wieder Probleme mit dem PC, Internet oder Telefon habe und mein Bruder mir den link hier zu gab.

    Ich arbeite als Heilerin und Coach, kann hohe Energien halten, bin Energieverstärker und weiss die Energien meiner Klienten zu drehn.

    Wenn ich Geist spirituell arbeite, kann ich nicht unmittelbar rational logisch denkend wirsam sein, müsste ich es löst es massive spannungen in meinem Körper aus, auch Energien Aus zugleich engine, bzw anzugleichen löst massive stresse im Körper aus.. was sich als massiver Hitzeschub und schließendem unterkühlt frierend fühlen zeigen kann.

    Mich würde tatsächlich interessieren, ob diese Art Spannungen Strom erzeugen könnte. Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, aber heute nach ewiglich lange Stunde um meinen PC und Mobiltelefon einzurichten… kamen diese Impulse auf.. da es nicht normal scheint, wie hochanstrengend für mich dieses Feld wirkt.

    Wenn ich viele Sessions habe, kann die
    Energie weiter gegeben werden, ansonsten ist es wie ein innerliches verbrennen, was ich austarieren muss.

    Anna Anuka 🌹

    Antworten

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